Big Daddy: Wie man die größte Wanderdüne (nicht) besteigt

Big Daddy: Wie man die größte Wanderdüne (nicht) besteigt

Düne 45, Big Mama, Big Daddy – der Höhepunkt eines Besuchs in der Namibwüste ist die Besteigung einer Wanderdüne. Wer es schafft, den Big Daddy, den Sandgipfel am Ende der Salzpfanne zu besteigen, der wird mit einem grandiosen Ausblick über die White Mountains belohnt. Mit einem Höhenunterschied von fast 400 Metern ist die Düne, nicht zu unrecht Crazy Dune genannt, eine der höchsten der Welt. Über den Dünenkamm geht es zwei Stunden entlang des Dead Vlei mit den fotogenen jahrhundertealten Kameldornbäumen hinauf zum Gipfel. So heißt es; der Versuch einer Traumabewältigung.

Kurz hinter Sesriem befindet sich der Eingang des Namib-Naukluftparks. Eine gut ausgebaute Straße führt immer tiefer in das endlose Sandmeer. Wer diese Strecke im Morgengrauen fährt, kommt in den Genuss, die immer größer werdenden Dünen in ihren kräftigen Rottönen leuchten zu sehen. Wer in einem PKW reist, steigt am 2×4 Parkplatz auf ein Allrad-Shuttle um. Wer mit einem Geländewagen unterwegs ist, zuckelt in niedriger Untersetzung gemütlich bis zum Sossuvlei. Festfahren ist kaum möglich, in ausgefahrenen Sandschienen geht es gemütlich durch den Park. Sossusvlei bedeutet übrigens „blinder Fluss“ in der Sprache der Nama. Nur in seltenen regenreichen Jahren füllen sich Flussbett und Salzpfanne mit Wasser.

Das große Scheitern

Auf unserer ersten Namibia-Reise 2009 machten wir den ersten Ausflug in die Wüste. Birgits Versuch einer Abkürzung seitlich den Hang hoch, raubt uns so viele Kräfte, dass wir nach 30 Minuten erschöpft abrechen. Opfer: der Blitz meiner Olympus.

Wir erinnern uns: 

„… Wir ziehen unsere Tropenhüte ins Gesicht und stapfen todesmutig los. Tatsächlich wird es schon am frühen Vormittag recht heiß, deshalb planen wir unsere Route auf die hohe Düne sorgfältig, um unsere Ressourcen zu schonen. Im Eifer des Gefechts sucht sich Birgit eine wundervoll steile Abkürzung seitlich den Berg hoch. So entkommen wir zwar schneller dem Geschnatter der Touris und stehen auf dem Dünenkamm, ich jedoch bin schon völlig k.o.

Überraschenderweise ist es hier oben gar nicht so heiß, ein lauer Wind erfrischt uns, der Ausblick ist unbeschreiblich schön. Diese Stille, die Farben, die weichen Linien des Sandgebirges. Atemberaubend. Schritt für Schritt und Stufe für Stufe beginnen wir den Aufstieg. Die Erschütterung unserer Schritte lassen immer wieder kleine blaue Käfer aus ihren Behausungen aufschrecken und wütend entfliehen. Neidisch blicken wir den Geckos hinterher, die mit ihren flinken Füßen über den Sand flitzen.

Unsere Dünenwanderung ist anstrengender als erwartet, also halten wir in kurzen Abständen immer wieder inne und belohnen uns mit dem Ausblick. Unter uns erstreckt sich nun das gesamte Dead Vlei, eine schneeweiße Pfanne, gespickt mir schwarz-verkohlten Kameldornbäume.

Sie sollen fast 900 Jahre alt sein. Die Menschen sehen aus wie Ameisen.

Wir suchen uns einen Punkt, bis zu dem wir es noch schaffen wollen. Endlich angekommen, wir haben etwa eine halbe Stunde durchgehalten, rasten wir rittlings auf dem Dünensattel, lassen die Beine links und rechts herunterbaumeln und genießen den Ausblick, an dem wir uns nicht sattsehen können.“

Im Herbst 2011 wagen wir es nochmal: keine Abkürzung, leichtes Gepäck, eine Wasserflasche. Stoisch stapfen wir uns langsam bergauf – mit regelmäßigen Trinkpausen. Diesmal kämpfen wir gegen peitschende Winden auf dem Dünenkamm an. Die Schuhe füllen sich schnell mit Sand, jeder Schritt wird zur Qual. Wir schaffen es immerhin doppelt so weit. Opfer: Birgits Sonnenhut.

Die Enttäuschung verarbeiten wir filmisch:

Für uns bleibt es rätselhaft, wie man diese Düne bezwingt. Wir hören von Menschen, die kurz vor Sonnenuntergang mit zwei Flaschen Sekt noch „eben schnell“ hochgelaufen seien. Wir treffen junge Leute, die uns verständnislos anblicken, als wir von unserem zweiten Scheitern berichten. Wir hören aber genauso die Geschichte eines Herrn, der den Ausflug mit seinem Leben bezahlt hat. Die körperliche Belastung in glühender Hitze ist nicht zu unterschätzen.

Wie man es schaffen könnte, diese Düne zu bezwingen – glauben wir zumindest:

  1. Mehr Wasser: im Widerspruch zu Punkt 2
  2. Ballast abwerfen: die Kameraausrüstung auf ein Minimum reduzieren und gegen Sand schützen
  3. Kräfte einteilen: keine Abkürzungen!
  4. Früh starten: die kühlen Morgenstunden nutzen
  5. Bergtraining: ein bisschen Kondition kann nicht schaden
  6. Stiefel: für weniger Sand im Schuh
  7. Convoy: der Erste stapft am Schwersten. Je öfter man durch wechselt, umso trittfester werden die Stufen

 

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2 Kommentare

  1. Oh ja, die Düne zehrt an deinen Kräften. Kleiner Tipps für den nächsten Versuch: Teamwork. Wer als erster geht, schafft die Tritte für alle nachfolgenden. Solange du in die Fußstapfen deines Vordermanns trittst, ist es nur halb so schwer. Von daher wechselt euch an der Spitze ab, mit vereinten Kräften schafft ihr es sicher beim nächsten Mal ;)
    Viel Erfolg, Claudia

    • Stefanie

      Hi Claudia, wir werden sicherlich noch einmal zu einem Versuch Nummer 3 starten. Beim ersten Mal sind wir etwas zu spät los und kämpften auch mit der Hitze. Beim zweiten Mal war es sehr windig auf dem Kamm. Und wir sind wahrscheinlich einfach Weicheier :-) Das Treppengehen in den Spuren des Vordermannes ist in der Tat um einiges angenehmer.

      Viele Grüße, Steffi

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