Welches Afrika Buch mich am meisten bewegt hat

Welches Afrika Buch mich am meisten bewegt hat

Bereits während meiner Schulzeit habe ich begonnen, mich intensiv mit der Kultur und Literatur afrikanischer Länder auseinanderzusetzen. Ich las ein Afrika Buch nach dem anderen: über Shaka Zulu, die Biographie Mandelas, Steve Bikos „Schrei nach Freiheit“ (toll verfilmt mit Denzel Washington und Kevin Kline). Damals hatte es mir Südafrika besonders angetan. Ich liebte die alte Ipi-Tombi-Platte meiner Mutter. Ich wollte unbedingt in Kapstadt Meeresbiologie studieren. Es kam ein bisschen anders, aber während meines Anglistik-Studiums setzte ich den Schwerpunkt auf postkoloniale Literatur und ergänzte um Interkulturelle Kommunikation, Afrikanistik war leider sehr unterbesetzt in München.

So wie es das leider häufig in den Medien ist. Ich habe allerdings in den vergangenen Jahren einige Bücher zusammengesammelt, von denen ich heute fünf Sachbücher über Afrika vorstellen möchte, die mich am meisten bewegt haben. Die Auswahl war gar nicht so leicht und ich habe mich zunächst auf Sachbücher beschränkt, werde die Reihe aber demnächst um afrikanische Literatur ergänzen.

Adam Hochschild – Schatten über dem Kongo

In der Schule quälte ich mich regelrecht durch Josephs Conrad „Herz der Finsternis“. Welch grauenhafte Geschichte dahinter steckt und wie vergessen dieses große Menschheitsverbrechen im Kongo ist, berichtet Adam Hochschild. „Getrieben von der Gier nach Geld, Macht und Ruhm brachte der belgische König Leopold II. den Kongo 1885 in seinen Privatbesitz. Zwei Jahrzehnte lang ließ er das Land mit einer auch für damalige Verhältnisse beispiellosen Grausamkeit ausbeuten und plündern.“ (aus dem Klappentext). Erst um 1908 konnte der König zur Aufgabe gezwungen werden, nachdem 10 Millionen Menschen für die Ausbeutung der Bodenschätze ihr Leben lassen mussten. Trotzdem war das ganze Ausmaß der Katastrophe nur Wenigen bekannt, denn

„Wer die Wahrnehmung kontrolliert, kontrolliert das Ereignis.“

Ryszard Kapuśczińksi – Afrikanisches Fieber

Als polnischer Auslandkorrespondent in den 60er Jahren konnte Kapuśczińksi nicht auf die finanziellen Mittel der großen Nachrichtenagenturen zurückgreifen. In „Afrikanisches Fieber“ zieht er ein Fazit nach vierzig Jahren Afrikareisen. Während die anderen europäischen Korrespondenten sich in Kolonialherren-Manier von einem Pressetermin zum nächsten chauffieren ließen, schipperte Kapusczinski während eines Orkans in einem kaputten Motorboot von Sansibar ans Festland oder trampte mit einem dubiosen LKW-Fahrer durch die Sahara. Er schreibt selbst: „Ich mied offizielle Routen, Paläste, wichtige Gestalten und die große Politik. Viel lieber fuhr ich mit zufälligen Lastwagen herum, zog mit Nomaden durch die Wüste oder war bei Bauern der tropischen Savanne zu Gast. … Dies ist kein Buch über Afrika, sondern über einige Menschen von dort, über die Begegnungen mit ihnen, die gemeinsam verbrachte Zeit.“

Kapuśczińksi Reportagen sind ehrlich, bescheiden und in ihrer Einfachheit schonungslos:

„Dieser Kontinent ist zu groß, als dass man ihn beschreiben könnte. Er ist ein regelrechter Ozean, ein eigener Planet, ein vielfältiger, reicher Kosmos.“

Roméo Dallaire – Shake Hands with the Devil

Ich erinnere mich an die Bilder im Fernsehen, Millionen auf der Flucht, vor dem Völkermord in Ruanda. Dass es sich damals zum Großteil um die Täter selbst handelte, die vor einem Vergeltungsschlag flohen, blieb zunächst unklar. Genauso wie die undurchsichtige Rolle Frankreichs und wie vollständig die Vereinten Nationen versagten. Der damalige kanadische Kommandeur der Blauhelmtruppen Roméo Dallaire klagt in einem sehr persönlichen Bericht die Weltgemeinschaft an. Nachdem Belgien seine Truppen abzog, versuchte er noch mit knapp 300 Mann, Sicherheitszonen zu schaffen. Das Morden konnte er nicht mehr aufhalten, in 100 Tagen wurden durch die Hutumehrheit nach Schätzungen 800000 bis 100000 Tutsi ermordet. Sein Bericht ist persönlich, niederschlagend und verzweifelt.

„… I know there is a God because in Rwanda I shook hands the the devil. I have seen him, I have smelled him and I have touched him. I know the devil exists, and there fore I know there is a God.“

Da man aber auch mal etwas für die Seele lesen muss, hier noch zwei weitere Tips, die sich mit der Schönheit der afrikanischen Wildnis beschäftigen:

Lawrence Anthony – The Elephant Whisperer

Was tun, wenn man sich plötzlich um eine wildgewordene, traumatisierte Elefantenherde kümmern muss? Der Umweltschützer Lawrence Anthony nimmt eine aggressive Elefantenherde in seinem Reservat Thula Thula auf, um deren Erschießung zu verhindern. Behutsam baut er eine Beziehung zur Matriarchin der Herde auf und vermittelt den Tieren ganz allmählich wieder ein Gefühl von Sicherheit. Seine Erlebnisse beschreibt er einfühlsam, mitreißend und anrührend zugleich.

„Every wild thing is in tune with its surrounding, awake to its fate and in absolute harmony with the planet. Their attention is focused totally outwards. Humans, on the other hand, tend to focus introspectively on their own lives too often, brooding and magnifying problems that the animal kingdom would not waste a milliseconds of energy upon.“

Mark and Delia Owens – Cry of the Kalahari

Mit nicht mehr als den Klamotten, die sie am Leib trugen und den letzten 5000 Dollar in der Tasche flogen Mark und Delia Owens nach Botswana, um das Leben in der Kalahari-Wüste zu studieren. Sieben Jahre lebten sie abseits der Zivilisation. Zurückbrachten sie einen wundervollen Bericht über ihr einsames Leben in der Wildnis und über das bis dahin unbekannte komplexe Sozialverhalten brauner Hyänen.

„I don’t really know when we decided to go to Africa. In a way, I guess each of us had always wanted to go. For as long as we can remember we have sought out wild places, drawn strength, peace and solitude from them and wanted to protect them from destruction.“

Ich freue mich immer über neues Lesefutter: Welche Bücher über Afrika haben Euch bewegt?

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