Eastern Cape – zwischen Feenwald und verrückten Künstlern

Eastern Cape – zwischen Feenwald und verrückten Künstlern

Aktualisiert am 14. Juni 2017 um 03:45

Das Eastern Cape vereint die touristische Garden Route mit der unberührten Wild Coast, große Städte wie Port Elizabeth und East London mit dem dünn besiedelten Hinterland und den berühmten Addo Elephant Park mit kleinen, unaufgeregten Parks in der Karoo.

Während wir gemütlich die Garden Route entlang fahren, passieren wir heimlich still und leise die Grenze zum Eastern Cape, dem Frontier Country. Morgens haben wir unseren Kaffee noch im Tsitsikama Nationalpark getrunken, um eine Stunde später im benachbarten Storms River Mouth Nationalpark einen Regierungsbezirk weiter zu sein. Hier wartet ein Highlight der Garden Route, nämlich die zerklüftete Mündung des Storms River ins Meer. Eigentlich schön anzusehen, aber es ist leider immer noch Hochsaison und wir schieben uns mit der Masse allmählich Richtung Hängebrücke. Ein Alternativplan muss her. Hier ist es uns einfach viel zu voll!

Storms River Mouth

Port Elizabeth und Addo Elephant Park

Port Elizabeth, auch PE genannt, lassen wir links liegen, weil es außer Industrie nicht viel zu bieten haben soll und fahren 127 km weiter bis zur Universitätsstadt Grahamstown, um fernab der Garden Route, das Ende der südafrikanischen Sommerferien abzuwarten. Ohne die Studenten ist Grahamstown ein verschlafenes Städtchen. Perfekt für unsere Verschnaufpause.

Eigentlich wollten wir den Addo Elephant Park besuchen, der in der Nähe von Port Elizabeth liegt, aber wir können uns nicht aufraffen. Der Park soll hübsch sein und wie der Name schon sagt voller Elefanten. Auch zwei Löwenrudel und Hyänen wurden wieder angesiedelt. Man kann nicht nur die Big Five (Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard), sondern sogar die Big Seven, einschließlich Wal und Weißem Hai sehen. Da noch so viele große Parks auf uns warten, wie Krüger, Kgalagadi, Etosha und South Luangwa, legen wir einen Tag die Füße hoch.

Hogsback

So gestärkt geht es eine kurze Tagesetappe weiter nach Hogsback. Das ist eine kleine, dicht bewaldete Bergregion mit mildem Klima und tollen Wanderwegen. Tolkien soll hier Inspiration für seinen Herrn der Ringe gefunden haben. Wir quartieren uns in einer Backpackerlodge mit Campingplatz ein. »Away with the fairies« lässt mein Fantasy-Herz höher schlagen. Theoretisch jedenfalls. Praktisch hatte die Lodge schon mal bessere Tage. Und ich bin auch aus dem Backpackeralter raus. Der Durchschnittsgast ist 23 und auf Party eingestellt. Dazwischen findet sich noch ein betrunkener Althippie, der den Absprung verpasst zu haben scheint. Erträglich wurde diese Erfahrung lediglich durch eine ziemlich gute Pizza in der Lodge und eine Bar mit Ausblick über den Hogsback. Tatsächlich hätte es auch eine Badewanne mit demselben Blick gegeben, die aber ständig belegt war. Die Landschaft selber ist objektiv toll und bei den Wanderungen ist alles dabei von der kleinen Nachmittagstour bis zur Ganztageswanderung, durch Märchenwald bis zum abgelegenen Wasserfall. Trotzdem kommt bei uns keine rechte Begeisterung auf und rückblickend stellen wir fest, dass sich die Gegend hinter PE bis zum Hogsback eher bedrückend anfühlt. Immerhin ist das hier Frontier Country und zahlreiche Festungsanlagen zeugen noch von den Grenzkriegen (link) zwischen Xhosa und europäischen Siedlern, die zwischen 1779 und 1889 hier gekämpft wurden.

Graaff-Reinet und Nieu Bethesda

Bei uns will so recht keine Eastern Cape Stimmung aufkommen. Es scheint uns, als befinden wir uns nun am Ende unseres Urlaubs und am Anfang unserer Reise. Warum hetzen wir eigentlich so? Also haben wir das einzig Richtige getan und geben unseren Plan weiter Richtung Wild Coast zu fahren, auf – und unserem Sehnen nach.

Der Weg führt zurück in die Kleine Karoo nach Graaff-Reinet, das vom Camdeboo Nationalpark umschlossen wird. Der Park selber ist klein und herrlich unaufgeregt. Er besticht durch seine atemberaubende Landschaft. Unbedingt zu empfehlen ist die Fahrt ins Valley of Desolation, wo man über schroffe Gebirgsformationen wandern kann. Auf dem Weg dorthin beobachten wir Antilopen darunter Springbock, Eland, Kudu und Weißschwanzgnus. Büffel soll es auch geben, die sind uns aber nicht begegnet. Der Campingplatz im Park ist weitläufig und schön angelegt, so dass man von den anderen Gästen nicht viel mitbekommt.

 

Graaff-Reinet ist hübsch aufgeräumt und ein guter Stop, um Vorräte aufzufüllen. Von dort sind es etwa 50 km bis nach Nieu Bethesda, wo als Attraktion das Owl House wartet. Hier lebte Helen Martin, die ihr ganzes Haus im Lauf der Jahre als Gesamtkunstwerk gestaltet und ihren Garten mit zahlreiche Tonfiguren befüllt hat. Die Bewohner des kleinen Ortes hielten sie natürlich für verrückt. Wir waren begeistert. Mit Licht und Farben hat sich Miss Helen eine eigene Welt erschaffen. Das dekorierte Haus und der Skulpturengarten versprüht seine kreative Energie, mit einer Mischung Einsamkeit und Hoffnung.

 

Northern Cape – auf zum Kgalagadi Transfrontier Park

Im Laufe dieser entspannten Tage im Camdeboo wird uns klar, dass wir gerade in Wüstenstimmung sind und beschließen über den Kgalagadi Transfrontier Parknach Namibia einzureisen. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir das Northern Cape, wo endloses flaches Weide- und Brachland wartet. Das ist dann also die Große Karoo und hier ist wirklich der Hund begraben: Nur etwa alle 100 km taucht mal ein Haus oder ein kleiner Ort auf. Vier Stunden lang geht es schnürl geradeaus. Trotzdem ist die Fahrt nach Upington interessanter als erwartet. Als prima Übernachtungsstop, um die Strecke von 675 km zu halbieren, eignet sich der schön angelegte Kambro Campingplatz in der Nähe von Britstown, wo sogar ein kleiner Pool zum Abkühlen wartet. In Upington sind zahlreiche Läden und Ausrüster versammelt, so dass wir hier noch ein bisschen an unserem Landy optimieren und bereit sind für den Kgalagadi Transfrontier Park.

Eastern Cape – Unsere Route in der Übersicht

Wer übrigens genauer wissen will, wo wir gerade stecken: Den Link zu unserem Satellitentracker bekommt ihr nur als Newsletter-Abonnent :-)

Für den nächsten Besuch

Zu einem späteren Zeitpunkt warten im Eastern Cape auf uns noch die Wild Coast und der Baavianskloof, eine Bergregion mit zahlreichen 4×4 Tracks nördlich vom Tsitsikama Nationalpark.

Alle Reiseberichte von unserem Afrika Roadtrip findet ihr hier.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*