Kapstadt für Genießer

Kapstadt für Genießer

Aktualisiert am 6. Januar 2017 um 05:09

Kapstadt im Dezember ist Sommer, Sonne, Strand und vieles mehr. Quirlige Märkte, gutes Essen, grandiose Ausblicke – was man in der Mother City erleben kann, wenn man etwas Zeit mitbringt.

Kapstadt ist für mich ein Stück Heimat. Seit jeher übt die südafrikanische Stadt eine magische Anziehung auf mich aus. Ich habe dafür keine rationale Erklärung. Es ist einfach ein Gefühl. Als ich vor 7 Jahren das erste Mal auf der N2 vom Flughafen in die City Bowl bog, spürte ich: ich bin angekommen. Und dass obwohl ich im Linksverkehr über eine sechsspurige Autobahn auf den ersten Kreisverkehr zuschoß.

Es ist unser dritter Besuch in der Stadt. Und diesmal haben wir etwas mit gebracht: viel Zeit. Wir müssen nicht hetzen, wir haben keine Liste mit Dingen, die wir unbedingt gesehen haben wollen. Viele Highlights durften wir schon in der Vergangenheit besuchen: 2009 „Kapstadt – Das Finale“ und 2011 „Rundreise Namibia und Südafrika„. Wir hatten also entspannte 10 Tage, um uns einfach treiben zu lassen, zu erleben und zu genießen.

Tipp: Wer nicht mit dem eigenen Auto unterwegs sein kann: Unbedingt einen Mietwagen organisieren. Die Kapstädter schimpfen zwar über die Verkehrslage und die Spritpreise, wer aber europäische Großstädte gewohnt ist, kein Vergleich. Mit dem eigenen Auto ist man flexibler und auch in den Abendstunden sicher unterwegs. Einen Parkplatz findet man eigentlich überall.

Strandspaziergänge

Kapstadts Strände sind ein Paradies für Kitesurfer und Wellenreiter. Weniger für den Schwimmer oder den Sonnenbader. Selbst in den Sommermonaten spült der Benguela-Strom eiskaltes Wasser ans Ufer und es weht meist ein starker Wind. Zum flanieren und spazieren ist es dafür herrlich. Sonnenschutz und Pulli nicht vergessen: mitunter bläst es einem bitterkalt um die Ohren, die Sonne verbrutzelt einen dennoch.

Wer das grandiose Tafelberg-Massiv beim strandspazieren fest im Blick haben will, verlässt Kapstadt Richtung Norden. Am Sunset Beach hat es uns am besten gefallen, aber auch Table View und Blouberg Strand sind schön. An diesem Küstenabschnitt ist es im Sommer sehr windig, für Kiter ein absolutes Paradies.

Entlang der Atlantikküste der Kap-Halbinsel ist vom Promistrand bei Clifton und Camps Bay bis zur einsamen Bucht für jeden Geschmack etwas dabei. Am Noordhoek Beach breitet sich ein 6 Kilometer langer weißer Sandstrand vor den türkisfarbenen Wellen aus. Trotz Hochsaison stapfen wir fast allein die malerische Kulisse entlang.

Die östliche Bucht am Kap nennt sich False Bay. Und wieder: Strände, Strände, Strände, alle sehr relaxed, mit bunten Badehäuschen. Am Muizenberg Beach geht es während Ebbe schön flach hinein und eignet sich gut zum Baden. Zur Flut sind die Wellenreiter in ihrem Revier. An Dalebrooke bei St. James fährt man schnell vorbei. In Kalk Bay ist das absolute Highlight der Fischmarkt am Hafen. Und unbedingt Fish and Chips bei Kalky’s probieren. Uns persönlich schmeckt Snoek, die Hechtmakrele besser als Hake, der Seehecht. In Boulders Beach schwimmt es sich mit ein wenig Glück mit den vom Aussterben bedrohten afrikanischen Pinguinen.

Pass-Straßen entlang der Kap-Halbinsel

Der Chapman’s Peak Drive ist sicherlich die berühmteste Küstenstraße am Western Cape. Die Ausblicke nach jeder Kurve sind so pittoresk, dass man aufpassen muss, nicht über die Klippen zu schießen.

Tipp: Fahrt ihn von Süden nach Norden, so fährt man direkt an den Klippen entlang und kommt viel unkomplizierter in die zahlreichen Parkbuchten, um in Ruhe aufs Meer zu gucken.

Defender am Chapman's Peak

 

Der Ou Kaapse Weg von Muizenberg nach Noordhoek ist etwas weniger berühmt, muss sich seiner Ausblicke aber nicht schämen. Er verbindet die Ost- und die Westküste der Halbinsel und bringt einen in das verschlafene Noordhoek, fest in Reiterhand mit einem traumhaften, kilometerlangen Sandstrand.

Robben Island und V & A Waterfront

Pflichtprogramm, das wir bei keinem unserer letzten Besuche geschafft haben. Vom Nelson Mandela Gateway, direkt beim alten Clock Tower, legt die Fähre nach Robben Island ab. Dort wurden während des Apartheid Regimes, politische Gefangene, inhaftiert. Unter ihnen auch Nelson Mandela, Walter Sisulu, Robert Sobukwe, Oliver Tambo und auch Jacob Zuma, um nur einige wenige zu nennen.

Die Überfahrt erlaubt herrliche Ausblicke auf die Tafelbucht. Mit ein bisschen Glück kann man Wale sehen. Wir hatten auf der Rückfahrt das Glück, fünf Südkapper zu erspähen.

Angekommen auf der Insel wird man von einem ehemaligen Gefangenen durch die Zellentrakte geführt und bekommt einen Erlebnis-Bericht über die Grausamkeiten des Apartheid-Regimes. Auf einer kurzen Busrundfahrt geht es noch vorbei an der kleinen Stadt, dem Steinbruch und eine kleinen Pinguin-Kolonie, bevor es zurück nach Kapstadt geht.

An der V & A Waterfront kann man sich nach einem langen Tag an der frischen Luft stärken, zum Beispiel an einem der zahlreichen Marktstände. Meine Favoriten: Hot Dog Kings oder auf einen Burger bei Woodies im V & A Food Market.

Botanischer Garten Kirstenbosch

Früher hat es uns hier gar nicht hingezogen – was für ein fataler Fehler. Die Kirstenbosch Gärten sind wunderschön, weitläufig, aber kurzweilig und versprühen im Sommer eine ausgelassene Picknick-Atmosphäre. Auf jeder Wiese darf man es sich gemütlich machen, also Decke und Proviant nicht vergessen. Am besten hat uns der Bereich der ausgestorbenen Pflanzen gefallen. Hier steht zwischen lebensechten Dinosaurier-Skulpturen eine einsame Wood’s Cycade – die letzte ihrer Art.

Dinosaurier in den Kirstenbosch Botanical Gardens

Der Baumwipfelpfad bietet einen phantastischen Ausblick. Schön gemacht ist auch der Braille Trail, der speziell für Blinde angelegt wurde und den Wald mit dem Tast-, und Hörsinn erleben lässt.  Wer es schafft, an einem Sonntagabend herzukommen: Im Sommer sind jede Woche Konzerte im Garten.

Kapstadt kulinarisch

Märkte gibt es reichlich in Kapstadt. Ob Green Market direkt in der Stadt, V&A Food Market an der Waterfront oder den Neighbourgoods Market in der Old Biscuit Mill, der es uns besonders angetan hat. Woodstock ist das Hipster- und Künstlerviertel Kapstadts. Viele Klamotten- und Möbelläden. Es lohnt sich, immer mal nach hinten durchzulaufen, oft findet man sich in einer Bar wieder. Business in the front, party in the back. Der Markt selber findet jeden Samstag Vormittag in dem ehemaligen Fabrikgelände der Old Bisquit Mill statt. Schmuck, Klamotten und Essen aus aller Herren Länder. Die Stimmung, die Düfte, das fröhliche Geplauder an einem sommerlichen Feriensamstag, dazu chillige Housebeats von der kleinen Bühne. Ich glaube, ich habe meinen Lieblingsort in Kapstadt gefunden.

Die Craft Beer Szene ist riesig: Thirsty Elephant, Devil’s Peak, Blind Mole und Cape Doctor. Auch die erlesenen Weingüter lassen es sich nicht nehmen auf den Trend aufzuspringen.

Und für den Gin Liebhaber, hab ich auch noch was: Hope of Hopskins Salt River Gin. Mit Orangenzeste und Thymian der perfekte Sundowner nach einem Tag am Meer.

Für den nächsten Besuch

Bei Vollmond auf den Lion’s Head wandern. Das Künstlerviertel Woodstock intensiver erkunden. Sonnenuntergang Picknick am Sunset Beach mit Blick auf den Tafelberg.

Nun beginnt für uns das echte Vanlife-Leben. Wir verlassen unser gemütliches Appartement mit Dachterrasse in Pinelands. Nächster Halt: Winelands.

3 Comments

  1. Sammi Heineking

    Ganz ganz großes Kompliment. In wenigen Tagen habt ihr mehr gesehen und schönere Fotos von Kapstadt gemacht als ich in zwölf Jahren. Toller Text.

    Liebe Grüße Sammi

    • Hallo Sammi, ein ganz großes Highlight war natürlich der Kuchen bei Euch im Garten. Aber das hab ich lieber nicht geschrieben, sonst kommt ihr gar nicht mehr zur Ruhe 😂! Momentan sind wir in der kleinen Karoo und genießen die Weite und die herrlichen Horizonte. Liebe Grüße, Steffi

  2. Pingback: Western Cape - Zwischen Weinbergen und Wüste - Giraffe 13

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