Durch den Norden von Malawi

Durch den Norden von Malawi

Aktualisiert am 7. August 2017 um 01:58

Malawi bietet eine reizvolle Mischung aus wundervollen Bergregionen, quirligen Städten und dem unvergleichlichen Malawisee. Das Reisen ist entspannt, weil sich überall fantastische Campingplätze finden lassen.

Für uns war es die zweite Reise nach Malawi. Beim ersten Besuch haben wir die Hauptstadt Lilongwe und Cape McClear am Südufer des Sees kennengelernt. Deshalb haben wir uns diesmal den Nordteil des Landes vorgenommen.

Grenzübergang Sambia – Malawi

Der kleine Grenzübergang bei Lundazi/Mqocha ist unbedingt zu empfehlen, denn hier ist nicht viel los und die Formalitäten waren in knapp eineinhalb Stunden erledigt. Ein 30 Tagesvisum für Malawi kostet 75 US-Dollar, Roadtax oder Carbontax sind nicht erforderlich.

Einziger Nachteil dieser Grenze ist, dass man die vorgeschriebene Third Party Insurance, also die Haftpflichtversicherung für das Auto, nicht erwerben kann. Das hat gleich zu Ärger an der ersten Polizeisperre geführt. Da es an besagter Grenze aber auch keinen ATM gab und wir somit noch keine malawischen Kwacha besaßen, durften wir schließlich ohne Strafzettel weiterfahren.

Chinteche

Mit einem kurzen Stopover in Mzuzu ging es direkt weiter an den Malawisee. Auf der Suche nach Ruhe ließen wir das rummelige Nkhata Bay hinter uns und fuhren weiter nach Chinteche. Da der Malawisee eigentlich an jeder Stelle für alle zugänglich sein soll, hat uns das abgeriegelte Chinteche Inn nicht gefallen und wir haben unser Lager in Sunga Moyo bezogen. Hier ist alles offen und das halbe Dorf läuft über den Campingplatz, was nach einem halben Jahr im südlichen Afrika voller hoher Zäune zunächst ungewohnt war für uns. Dafür kann man aber ohne sich vom Camp wegbewegen zu müssen, direkt fangfrischen Chambo kaufen. Tilapia ist das. Und der schmeckt vom Grill ganz wunderbar.

Gleich sechs Nächte sind wir geblieben, weil man direkt am Strand sein Lager aufschlagen kann. Trotzdem muss ich einschränkend erwähnen, dass die Stimmung auf dem Platz irgendwie merkwürdig war. Die Besitzer waren nicht da, fühlten sich aber bemüssigt, ein Plakat im Badezimmer aufzuhängen auf dem zu lesen war, dass man erstens immer auf eine Rechnung und zweitens auf das Wechselgeld bestehen soll. Ich kann das nur so deuten, dass er seinen Angestellten nicht vertraut. Gefällt mir gar nicht, damit behelligt zu werden. Zumal das gesamte Personal wahnsinnig freundlich und hilfsbereit war. Zur Krönung wohnt nebenan eine weiße Südafrikanerin mit drei riesigen Hunden, die sie wenig im Griff und dann auch noch auf Schwarze abgerichtet hat. Nachdem wir darüber ordentlich in Streit geraten sind, sind wir am nächsten Tag abgereist.

Der Malawisee selbst ist natürlich wundervoll. Jetzt im Winter bei angenehmen 25 Grad lädt er nur begrenzt zum Baden ein, was den Vorteil hat, sich nicht mit dem Thema Bilharziose beschäftigen zu müssen.

Mzuzu

Diese Distrikthauptstadt im Norden eignet sich hervorragend, um Vorräte aufzufüllen. Was als Stopover auf dem Weg zum See geplant war, wurde auf dem Weg zurück von Chinteche so viel mehr… Eigentlich sollte unser Landy Elise nur einen Ölwechsel bekommen. Doch dem Kfz Mechaniker unseres Vertrauens, Jürgen aus Belgien (Otic Werkstatt) fiel auf, dass sich die Schrauben des untersten Türscharniers losgerüttelt hatten. Eine hing noch locker an der Mutter, die zweite fehlte ganz. Wie wir das übersehen konnten ist uns beiden ein Rätsel.

Jedenfalls ist an genau dieses Scharnier beim Hardtop kein rankommen. Der Zugang ist von hinten vollständig verbaut. Jürgen konnte dieses Problem also nicht beheben. Klar war aber trotzdem, dass das Reserverad nun doch von der Hecktür weg muss. Zuviel Gewicht. Und das auch noch bei schlechten, materialzehrenden Pisten. Das Problem war uns schon lange klar. Aber wer Reisealltag kennt, der wird verstehen, dass soviel anderes zu erledigen war, dass wir die Hecktür einfach ausgeblendet haben. Das war nun nicht mehr möglich.

Ein Dachgepäckträger musste her. Dazu stellte Jürgen uns einen Schweißer vor, der Selbigen für uns anfertigen sollte. Zu kaufen gibt es die nämlich nicht in Malawi. Das Gerüst selber war auch kein Problem. Doch warum wir den Gepäckträger nicht einfach in die Regenrinne unseres Autodaches verschrauben wollten, schien dem Schweißer nicht einzuleuchten. Entsprechend rasch ließ seine Motivation nach. So vereinbarten wir, da es auf fünf zuging, das Projekt am nächsten Tag fertigzustellen.

Doch am nächsten Tag war keiner da. Die Vermutung lag nahe, dass unser Schweißer sich vom Arbeitslohn des ersten Tages ein paar Bierchen gegönnt habe, sagt Jürgen.

Dabei wären wir an Tag zwei verzweifelt genug gewesen, das Ding einfach festzubohren. Im Gelände natürlich keine gute Idee. Bei all den Verschränkungen braucht der Gepäckträger ordentlich Spiel. Tatsächlich kam uns nun das Glück in doppelter Ausführung zu Hilfe. Denn erstens haben wir einen viel besseren und motivierteren Schweißer gefunden und zweites auf unserem Campingplatz Linho und seine Frau Vanessa kennengelernt. Linho ist Ingenieur und hat zusammen mit unserem neuen Schweißer eine super Klemmbefestigung gebastelt. Den ganzen Tag wurde geschweißt, geschraubt, getüftelt und gebastelt unter mithilfe der halben Stadt und am Nachmittag war das Ding fertig und aufs Dach montiert. Für umgerechnet nicht mal hundert Euro für Arbeitszeit, Material und eine Kiste Bier.

Zwischenzeitlich ist es Steffi und mir außerdem gelungen, das Problem mit der Hecktüre zu beseitigen. GANZ ALLEINE! Nach Abschrauben der Rückleuchte haben wir mit einer Esstäbchen-Wäscheklammer Konstruktion tatsächlich einen Zugang zum untersten Türscharnier gefunden und mit viel Fingerspitzengefühl zwei neue Schrauben reingedreht.

Nach diesen drei Tagen in Mzuzu sind wir an einem Punkt der Reise angekommen wo klar ist: es gibt keine unlösbaren Probleme! Ein gutes Gefühl. Geholfen hat außerdem unser Stellplatz im Macondo Camp. Der italienische Besitzer sorgt für ausgezeichnete Pizza und Teigwaren sowie eine gigantische Panna Cotta, die uns den langen Aufenthalt in Mzuzu deutlich versüßt hat.

Livingstonia

Im Norden Malawis laden wundervolle Bergregionen zum Wandern ein. Allerdings ist es im Winter so hoch oben empfindlich kühl. Deshalb haben wir uns gegen einen Besuch im Nyika Plateau entschieden, aber immerhin den Anstieg nach Livingstonia gewagt. Acht steile Kilometer galt es zu erklimmen auf einer, nach den langen Regenfällen ausgewaschenen Straße für die wir eine gute Stunde gebraucht haben. Der Aufwand lohnt sich dennoch, denn von der Mushroom Farm genießt man sagenhafte Ausblicke über den Malawisee. Dieses ökologische Community Camp wird liebevoll geführt. Donkeyduschen und Komposttoiletten sind in sehr gepflegtem Zustand. Außerdem gibt es jeden Abend ein vegetarisches Gericht für 7 US-Dollar mit Zutaten aus dem eigenen Garten.

 

Ngara

Letzter Halt für uns in Malawi war in Ngara am Malawisee. Hier haben wir im Floja Camp übernachtet, um die Anfahrt zur Grenze zu verkürzen. Floja, das ist ein von Holländern geführtes Projekt mit zwei Schulklassen für die Kinder des Dorfes. Die Einnahmen von Camp und Lodge fließen in das Projekt. Man steht hier noch einmal wunderbar am See und kann sich ganz entspannt von Malawi verabschieden.

Floja Camp im Norden Malawis

Grenzübergang Malawi – Tansania

Auch mit diesem Grenzübergang bei Kasumulu lagen wir goldrichtig. In zwei Stunden waren wir fertig. Und das auch nur weil der Drucker für einen Zahlungsbeleg gesponnen hat. Sonst wären wir noch schneller gewesen. Bekannte, die den Grenzübergang Nakonde von Tansania nach Sambia gewählt haben, haben dagegen neun Stunden! für die Formalitäten gebraucht.

Die Ausreise aus Malawi war rasch erledigt und auf tansanischer Seite waren alle ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Tatsächlich wird für die Einreise in Tansania ein Gelbfieberimpfnachweis verlangt. So konnten wir also endlich mal unser Impfbüchlein zeigen. Anschließend bekommt man für schlappe 50 US-Dollar ein Dreimonats-Multiple-Entry-Visum. Außerdem wird eine Carbon Tax fällig. Ein Monat kostet 25 US-Dollar, zwei Monate 45 US-Dollar und drei Monate 60 US-Dollar. Der Betrag ist in tansanischen Schilling zu bezahlen, aber gleich um die Ecke gibt es ATM und Wechselstube.

Unsere Route durch den Norden Malawis

Für den nächsten Besuch

Das Einzige was noch offen bleibt für einen weiteren Besuch ist das Nyika Plateau.

Unser Fazit

Malawi ist irgendwie wie eine riesige Backpackerlodge. Legere, bunt und quirlig, dabei ein klein bisschen schrabbelig und wahnsinnig günstig. Wer das mag, der ist hier genau richtig aufgehoben.

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