Mit dem Geländewagen durchs Luangwa-Tal

Mit dem Geländewagen durchs Luangwa-Tal

Mit dem Geländewagen durch das Luangwa-Tal in Sambia zu fahren ist eines der letzten großen Busch-Abenteuer im südlichen Afrika. Wer weiß, wie lange noch.

Wir nehmen uns fast zwei Wochen Zeit, um das Luangwa-Tal vom Nordluangwapark bis nach Petauke im Süden zu erkunden. Die einsamen Pisten führen durch verwunschene Märchenwälder, weite Savanne, versandete Flussläufe und vorbei an kleinen Dörfern.

Das Luangwa-Tal ist eines der letzten unberührten Naturparadiese im südlichen Afrika. Hier kann man noch tagelang allein durch den Busch fahren. Noch, denn die Teermaschinen der Chinesen sind auf dem Vormarsch.

Die beste Reisezeit

Das Tal in seiner ganzen Länge lässt sich nur während der Trockenzeit bereisen. Der North Luangwa hat während der Regenzeit von Dezember bis Mai komplett geschlossen. Die sonst sandigen Flussarme des Luangwa können Wasser führen, die Furten werden unpassierbar. Der sandige Untergrund verwandelt sich in die gefürchtete black cotton soil. Steckenbleiben in dem schmierseifigem Schlamm ist garantiert und eine Bergeaktion kann dauern.

Der Oktober wird nicht zu unrecht Suicide Month genannt. Ab 10 Uhr morgens ist es hirnerweichend heiß. Das Thermometer klettert auf über 40 Grad. Die Klimaanlage kommt nicht mehr hinterher. Öffnet man das Fenster, ist es als hält einem jemand einen heißen Fön ins Gesicht. Selbst nach Sonnenuntergang sinkt die Temperatur nur langsam knapp unter 30 Grad.

Offroad-Strecke durch das Luangwa-Tal

Wir beschreiben die Tour von Kapishya Hot Springs bis nach Petauke, also von Nord nach Süd, insgesamt fast 400 km. Zur Orientierung nutzen wir Open Street Maps. Straßenschilder oder verlässliche Markierungen gibt es auf der gesamten Strecke nicht. Die Straßenkarte aus dem Hupe-Verlag listet einige markante Punkte als GPS-Koordinaten. Nur mit einer Papierkarte loszufahren würden wir allerdings nicht empfehlen, dazu ist das Wegenetz zu verzweigt.

Von Kapishya nach Chifunda

Wer keine Lust auf die teure Transistrecke durch den North Luangwa Nationalpark hat, kann von Matumbo nach Chama nördlich am Park vorbeifahren. Die Strecke soll mittlerweile geteert sein. Von Chama sind es nochmal 120 km bis nach Chifunda, wo man campen kann. Dazwischen gibt es sonst keine Übernachtungsmöglichkeit und über den Zustand der Piste von Chama bis Chifunda konnten wir keine Informationen bekommen. Deshalb haben wir uns für den kürzeren Weg durch den Park entschieden.

Wir starten von Kapishya Hot Springs, einem wunderbaren Campingplatz 120 km nördlich von Mpika, der mit seinen heißen Quellen zum Verweilen einlädt. Das Essen ist hervorragend aber mit 25 US-Dollar leider recht kostspielig. Von hier gelangt man über die Great North Road nach 60 km zum Abzweig Richtung Mano Gate, das man nach weiteren 42 km auf guter Schotterpiste erreicht.

Der North Luangwa Nationalpark

Eigene Pirschfahrten sind im North Luangwa leider nicht erlaubt. Wer nicht in einem der teuren Safari-Camps unterkommt, darf nur die Transitstrecke nutzen. Die Abfahrt über das Escarpment ist landschaftlich schön, aber Tierbegegnungen sind eher selten. Wir sind die Strecke zweimal gefahren und haben nur Impalas und zwei Elefanten gesehen.

Das Buffalo Camp ist das Schwestercamp von Kapishya Hot Springs. Es wird jedes Jahr nach der Regenzeit direkt am Fluss neu aufgebaut. Büffel, badende Hyänen und Löwen sollen regelmäßige Besucher sein und im Oktober 2017 auch Wild Dogs. Zusätzlich kann man das Schutzgebiet für Spitzmaulnashörner besuchen. Berühmt ist das Camp für seine Walking Safaris.

Wir widerstehen dieser Versuchung, da uns 300 Dollar für eine Nacht einfach zu teuer sind. Günstiger steht man in Chikolongo kurz hinterm Mano Gate. Dieses kleine Camp wird von zwei Rangern versorgt, die für Warmwasser und Feuer sorgen. Sogar eine Spültoilette gibt es. Für 10 US Dollar pro Person die deutlich besser Alternative zum verfallenen Natwange Community Camp.

Wer will kann aber auch direkt weiterfahren und kommt nach etwa 60 km Transit durch den Park zum Highlight dieser Etappe: mit der Pontoon-Fähre über den Luangwa. Lose aufgeschlichtete Holzbalken bilden die Zufahrt auf die Fähre. Die Äste knacken bedrohlich als ich unseren Land Rover auf die Fähre manövriere. Die Fähre besteht aus Ölfässern und Holzplanken. Mit einem Knüppel wird die Fähren von Hand an einem Stahlseil entlangezogen, bevor es auf der anderen Seite wieder über einen Scheiterhaufen ans Ufer geht.

Am Steilufer unweit der Fähre liegt das gepflegte Chifunda Community Bushcamp, das herrliche Ausblicke auf den Luangwa ermöglicht. Es gibt fließend Wasser, Toiletten und warme Duschen. Die Dorfbewohner kümmern sich rührend um das Wohl ihrer Gäste. Die Nacht kostet 15 US Dollar pro Person.

Die Strecke von Kapishya Hotsprings bis Chifunda sind etwa 160 km für die wir mit Fährüberfahrt gemütliche fünf Stunden brauchen.

Parkgebühren für den North Luangwa

50 USD pro Person, 15 USD für das Auto

Transitkosten = 65 USD für zwei Personen und ein Auto

Von Chifunda bis Chipuka

Am Luangwa entlang geht es von Chifunda durch einen wunderschönen Mopanewald. Steht die Sonne niedirg wirft sie ihre goldenen Strahlen durch die Blätter, eine märchenhafte Stimmung entsteht. Die Sandpiste ist in gutem Zustand. Es gibt nur einige wenige Tiefsandabschnitte vor allem bei den Flussdurchfahrten, die jetzt im Oktober allesamt trocken sind. Die ersten 30 km dieser Strecke führen immer am Ufer des Luangwa entlang bis man nach links auf die Straße Richtung Lundazi abbiegt. Diese verlässt man nach wenigen Kilometern Richtung Süden und fährt etwa 70 km über die Dörfer bis zum Chipuka Gate. Für die insgesamt gut 100 km von Chifunda bis Chipuka brauchen wir fünf Stunden, die Tierbeobachtungen und Frühstück am Luangwa miteinschließen.

Luambe Nationalpark

Der Luambe Nationalpark selbst ist überschaubar, friedlich und landschaftlich hübsch. Allerdings auch etwas unübersichtlich, da die verschiedenen Wege durch den kleinen Park nicht ausgeschildert sind und jedes Jahr nach der Regenzeit neu angelegt werden. Mit einem GPS findet man sich aber gut zurecht.

Es gibt zwei größere Schleifen, die sich abfahren lassen. Eine führt entlang des Luangwa mit schönen Ausblicken auf den Fluss. Die andere verläuft durch eine Sumpfebene. Wir hören vom Parkranger, dass in der Ebene Wild Dogs gesichtet wurden und starten nachmittags zur Erkundungstour. Leider ohne Erfolg. Photographisch ist der Luambe eine echte Herausforderung: Die Tiere hier sind sehr scheu. Selbst Büffel und Elefanten flüchten im vollen Galopp als sie uns aus der Ferne entdecken. Sicherlich nicht der spektakulärste Park aber eine interessante Abwechslung zu den abgetretenen Pfaden.

Das neue Community Bushcamp Chipuka liegt 7 km vom Gate entfernt. Auch hier steht man direkt am Luangwa. Die Sanitäranlagen sind neu. Und abends werden sogar batteriebetriebene kleine Lämpchen angemacht. Über einen Brunnen kann man sich mit Trinkwasser versorgen. Das alles gibt es für 10 US Dollar pro Person.

Parkgebühren für den Luambe

20 USD pro Person, 5 USD für das Auto

Der Transit ist kostenlos, bei einer Pirschfahrt darf man sich nicht erwischen lassen. Wer möchte darf für 5 US Dollar pro Person im Park übernachten.

Durch den Nsefu-Sektor: von Chipuka nach Mfuwe

Nach einer weiteren kurzen Pirschfahrt durch den Luambe machen wir uns auf den Weg Richtung Nsefusektor des South Luangwa Nationalparks. Der Transit durch den Luambe sind kurzweilige 22 km und nach weiteren 40 km stehen wir bereits am Chikwinda Gate zum Nsefusektor. Die Ranger sind sich uneinig, ob man nun im Park campen kann oder nicht. Wir sollen beim Danicamp nachfragen.

Da es noch früh am Tag ist, entscheiden wir uns, bis nach Mfuwe weiterzufahren, da es auch sonst auf der Strecke keine Campingplätze gibt. 22 km geht es durch den Nsefusektor. Selbst auf der Transitstrecke entdecken wir viele Zebras und Antilopen. Nach weiteren 22 km erreichen wir den Ort Mfuwe. Die zwei großen Flussdurchfahrten auf diesem Streckenabschnitt sind jetzt im Oktober trocken, machen die Piste aber in der Regenzeit unpassierbar. Allerdings scheint es eine Ausweichmöglichkeit zu geben.

Kronenkraniche (Grey crowned crane) im Nsefu-Sektor

Die gesamte Tagesetappe von Chipuka bis Mfuwe sind etwas mehr als 100 km für die wir erneut unsere gemütlichen fünf Stunden gebraucht haben.

Parkgebühren für Nsefu

30 USD pro Person, 15 USD für das Auto

Wie im Luambe ist auch hier die Durchfahrt kostenlos. Abzweigen zu einer kleiner Pirschfahrt darf man nicht.

Auf Safari im South Luangwa

Die klassische Route führt zum Morgen-Game-Drive in den südlichen Teil des Parks. Hier gibt es zahlreiche große und kleine Loops die teilweise durch dichten Mopanewald führen und früher oder später stets am Luangwa rauskommen. Nachmittags geht es in den Norden, weil man dann die Sonne im Rücken hat. Hier gibt es weniger Loops und mehr Ausblicke über die weiten Ebenen.

Besonders gut gefallen hat uns auf dieser Strecke die Luangwa Wafwa Lagune. Berühmt ist der Park vor allem für seine Leoparden. Löwen sieht man häufig, dafür gibt es keine Geparden. Große Elefantenherden durchstreifen das gesamte Tal. Und unsere besonderes Highlight war unsere erste und langersehnte Begegnung mit afrikanischen Wildhunden, die 2017 vor allem im Nordteil des Parks zu finden sind.

Parkgebühren im South Luangwa

30 USD pro Person, 15 USD für das Auto

Im South Luangwa Nationalpark selbst ist Campen leider nicht möglich. Hier gibt es nur teure Chalets und Luxuscamps. Wer zeltet, muss also draußen bleiben. Leider haben wir wiederholt von Überfällen auf die Campingplätze gehört.

Vom Wildlifecamp schwärmen alle. Wir hätten es auch gern getestet aber im Oktober war fast alles ausgebucht. Hier und da wären wohl noch Plätze frei gewesen. Die Besitzerin hatte aber offensichtlich kein Interesse daran, mit uns zusammen eine Lösung zu suchen.

Also sind wir im Croc Valley untergekommen. Unter neuer Leitung, aber mit wenig Liebe geführt. Wir haben fast eine Woche hier verbracht und blieben weitgehend unsichtbar. Häufig Elefantenbesuch, die Affen sind eine absolute Plage. Wir hatten unser gesamtes Essen in der Gemeinschaftsküche weggesperrt und wurden trotzdem einmal am Tag überrannt.

Die dritte Möglichkeit ist das Tracks and Trail. Leider sind hier die Stellplätze nicht am Luangwa wie in den beiden anderen Camps.

In Mfuwe unweit vom Parkeingang entfernt gibt es eine Tankstelle mit ATM und kleinere Einkaufsmöglichkeiten. Die Beste bietet der Manyara Supermarkt am südlichen Ortsausgang. Für Frischwaren gibt es zahlreiche Stände am Straßenrand.

Von Mfuwe nach Petauke

Auf dem Weg von Mfuwe über die Old Petauke Road Richtung Süden fährt man fast die Hälfte der Strecke, etwa 70 km, am South Luangwa Park entlang. Auch hier wartet märchenhafter Mopanewald. Man trifft kaum eine Menschenseele, nur Elefanten und Antilopen kreuzen unseren Weg. Wir trauen unseren Augen nicht als eine große Herde Roan-Antilopen genau vor uns über die Straße galoppiert. Ein großes Glück, denn diese Antilopen sind sehr scheu. Wir haben sie bisher nur ein einziges Mal gesehen im Mahango National in Namibia vor über sieben Jahren.

Nun folgen etwa 40 km in denen die Straße teils ausgewaschen ist, dann wieder steinig mit losem Geröll. Hier kommt man nur langsam voran bis man für die letzten 60 km auf eine breite Schotterstraße biegt. Tiere sieht man nur keine mehr sondern fährt durch zahlreiche große und kleine Dörfer bis man schließlich Petauke erreicht. Für die gesamte Strecke von 170 km haben wir knapp sieben Stunden gebraucht. Trotzdem ist diese Strecke deutlich hübscher als die alternative Teerstraße über Chipata auf die Great East Road. Bevor es weiter Richtung Lusaka geht kann man in Petauke prima in der Chimwemwe Lodge campen. Hier steht man schattig unter Bäumen, die Sanitäranlagen sind neu. Eine Nacht kostet 15 US-Dollar.

Was man sonst noch wissen sollte

Keines der Camps auf dieser Strecke ist eingezäunt, was mal herrliche mal lästige Tierbegegnungen ermöglicht. Die Parkeintritte gelten alle von 6 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends. Wer im Park übernachtet zahlt also zweimal.

Trotzdem bleibt das einzige richtige Manko die unerträglich nervigen Tse-Tse-Fliegen, die es leider im gesamten Tal gibt. Im Norden mehr als im Süden, aber selbst hier waren die Biester oft eine rechte Plage. Die Bisse sind schmerzhaft und können sich fies entzünden. In seltenen Fällen kann die Schlafkrankheit übertragen werden. Halbwegs hilfreicher Schutz ist eine Wasser-Zitrone-Dettol Mischung dick auf die Haut geschmiert. Dettol ist ein Desinfektionsmittel, dass die Fliegen offensichtlich nicht besonders mögen.

Buchtipps für eine gelungene Safari im Luangwa-Tal

Naturführer Luangwa-Tal von Ilona Hupe: Aus dem Hause Hupe bekommt man hunderprozent Sambia-Leidenschaft. Brandneu erschienen ist ein eigenes Buch nur über das Luangwa-Tal, mit Informationen über Kultur, Tierwelt, Strecken und Campingplätzen.

 

Safari Companion von Richard Estes: Noch viel spannender als die Tiere zu bestimmen, ist es, ihr Verhalten zu beobachten und zu verstehen. Warum schürzt der Springbock die Lippen? Warum guckt das Gnu? Wo verstecken sich Leoparden? Sind Löwinnen gute Mütter? In unterhaltsamen und interessanten Erzählstil bringt Richard Estes einem das Verhalten afrikanischer Säugetiere näher.

Tracks & Signs: Spurenlesen für den Hobby-Safari-Guide. Wer ist denn da lang getapst, der Löwe oder war es doch nur ein Schakal? Der abgeknabberte Baum verrät, welches Tier hier lebt. Wer die Zeichen der Natur um sich herum besser deuten lernen will, ist mit diesem Buch gut beraten.

2 Comments

  1. Terry Andrew

    I assume you will be crossing into Botswana at Kasangulels (sp?) ferry. Go directly South and do not miss Elephant Sands. Camp behind ablution block furthest from reception. There is a gap (elephant track) between the camp site and first fixed tent. That’s where you want to be.
    Are you going to Kubu Island?
    If you are going west of the delta, Tsodilo Hills is the place to visit. A bushman painting art gallery.

    • Hey Terry, great to hear from you!!!

      We had to skip Elephant Sands again unfortunately. We opted for the Coca Cola run via Savuti this time :-). Actually we followed your advice and went to Linyanti instead. Magical. How did you ever ger you Jimny through this deep sand???

      Kubu Island we did in May and loved it. Now we are headed to KTP.

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