Namibia – abseits der klassischen Route

Namibia – abseits der klassischen Route

Die typische Namibiarundreise umfasst üblicherweise Windhoek, Fish River Canyon, Sossousvlei, Swakopmund, Twyfelfontein, Etosha und Waterbergplateau. Hier findet Ihr ein paar Tipps zu Zielen abseits der bekannten Pfade.

Im Südwesten Namibias liegt der Namib-Naukluftpark wo die roten Sanddünen der Namibwüste auf die kargen Bergregionen Tiras, Tsaris, Naukluft und Hakos treffen. Diesen Kontrast kann man zum Beispiel bei einer Fahrt auf der D 707 finden, eine unserer Lieblingsstrassen, die als Umweg parallel zur C13 bis zur C27 verläuft. Von Süden kommend kann man hier das Farbenspiel aus roten Dünen zur Linken und die grünlich-bläulichen Tirasberge zur Rechten geniessen.

Gastfreundschaft der Südwester

Als Hauptattraktion warten im Namib-Naukluftpark die Dünen des Sossousvlei, die wir uns aber kein drittes Mal ansehen wollten. Und der Apfelkuchen bei Percy in Solitaire ist leider schon lange kein Geheimtip mehr. Wir wollten uns diesmal mit der viel gerühmten Gastfreundschaft der deutschstämmigen Namibianer, der Südwester, beschäftigen. Unzählige Farmen liegen in dieser Gegend und bieten Gästezimmer und Campingplätze an.

Nach fünf Nächten in diesem Gebiet ist unser Fazit, dass die abwechslungsreiche Landschaft unbedingt eine Reise wert ist. Und die von uns gewählten Stellplätze Koimasis, Hauchabfontain, Namibgrens und Hakos waren einzigartig in Selbige eingebettet. Aber die Gastfreundschaft? Haben wir eher selten gespürt! Meist waren unsere Gastgeber eher zurückhaltend bis misstrauisch und irgendwie wortkarg. Oft hatten wir das Gefühl, eher zu stören als willkommen zu sein. Ein etwas zugänglicherer Farmer hat uns eine mögliche Erklärung geliefert. Aufgrund des fehlenden Regens in den vergangenen zwei Jahren, musste er einen Großteil seiner Rinder verkaufen. Und das, vermuten wir, nicht zu einem besonders guten Preis. Was er uns nicht gesagt hat, aber wohl auch in der Luft zu liegen scheint, sind die Pläne der Regierung, die weißen Farmer zu enteignen, wie dies zum Beispiel 2000 in Simbabwe geschehen ist. So ist es also nachvollziehbar, dass die Farmer gerade besseres zu tun haben als uns zu unterhalten.

Als Ausflug im Süden bietet sich die Fahrt nach Lüderitz am Atlantik an. Campen scheint uns hier allerdings aufgrund des kontinuierlich starken Windes ein Ding der Unmöglichkeit. Von hieraus schwebte uns eigentlich statt der klassischen Kolmannskop, ein altes verlassenes Dorf deutscher Diamantenschürfer, der Weg in das sagenumwobene Diamantensperrgebiet vor. Allerdings fanden wir nach einem Telefonat mit Heinz von Desert Explorers heraus, dass die Konzession dafür deutlich teurer geworden ist und sich der Ausflug deshalb nur für eine Gruppe von wenigstens acht Leuten lohnt. Und außerdem fünf Tage Vorbereitung braucht bis eben diese Konzession vorliegt.

Im Norden wartet der Gamsberg mit der größten Sternwarte der Welt vom Max-Planck-Institut. Will man diese besichtigen kann man Kontakt zu Toni Hanke aufnehmen. Da wir am Wochenende unterwegs waren hatten wir leider kein Glück. Auf der Hakosgästefarm wird Sterne gucken theoretisch angeboten. Bei unserem Besuch hatten unsere Gastgeber leider keine rechte Lust.

Swakopmund – Liebe auf den zweiten Blick

Als wir das erste Mal Swakopmund besuchten, verliessen wir das deutsche Kolonialfossil nach nur einem Tag fluchtartig. Doch wenn man unter die Oberfläche von Männergesangsverein und Brauhaus blickt, hat die Stadt direkt Hipstercharme. Wir haben die Stadt am Meer dieses Mal nach zwei Wochen Hitze in Kalahari- und Namibwüste erreicht und zuletzt nur noch unsere Dosenvorräte dezimieren können, weil es weit und breit keinen Supermarkt mehr gab. So war der Kontrast doppelt ausgeprägt, weil wir ein geradezu überwältigendes Angebot an Leckereien bei angenehmen 25 Grad geniessen konnten.

Deshalb sind wir gleich eine ganze Woche geblieben. Als Campingplatz haben wir die »Alte Brücke« gewählt. Sicherlich nicht jedermanns Sache, weil die quadratisch angeordneten Häuschen in grau einen eher funktionalen Charme haben. Dafür hat so jeder Stellplatz eigene Sanitäranlagen und Terrasse mit Grill und Spülbecken. Einen Wäscheservice gibt es noch dazu und die Innenstadt ist gemütlich über 20 Minuten Strandspaziergang zu erreichen. Zum Baden lädt der Atlantik im Sommer mit seinen kühlen Temperaturen und hohen Wellen nur Hartgesottene ein.

Wir dagegen haben das Stadtleben genossen und ausgiebig geschlemmt. Zu Frühstück oder leichtem Lunch empfehlen wir das Village Café. Der erste Eindruck von der Strasse täuscht ein kleines dunkles Räumchen vor, aber tatsächlich besteht das Café aus vielen liebevoll eingerichteten Nischen und einem großen Innenhof, den ein alter VW Bus ziert. Der Terminatortoast mit Hackfleisch, Ei und Käse ist allerdings nichts für den kleinen Hunger. Als Alternative sei noch das Farmhouse Deli erwähnt. Neben tollen Kuchenvariationen gibt es Sandwich und Quiche. Aber auch raffinierte Gerichte zum Abendessen.

Etwas rustikaler geht es im Butcher and Brewer zu. Zu Steaks oder Pizza gibt es selbst gebrautes Bier, so dass für uns der Besuch im klassischen Brauhaus in der Fussgängerzone überflüssig wurde. Wer Fisch bevorzugt sollte unbedingt ins Fish Deli. Neben hervorragendem Fish and Chips und Sushi kann man hier auch fangfrischen Fisch für den Grill am Campingplatz mitnehmen. Und auf dem Heimweg lohnt sich der Sundowner mit Meerblick in der Tiger Reef Bar, nur einen Steinwurf von der Alten Brücke entfernt. Wer noch immer Hunger hat, dem sei hier der Chicken Burger empfohlen.

Wer ein bisschen Lust zum Suchen hat, der wird neben dem klassisch deutschen Buchhandel oder Spielzeugladen auch solche Schmankerl wie die Kaffeerösterei Slowtown Coffee Roaster entdecken, die definitiv Hipstercharakter hat.

Das Stadtmuseum gibt einen interessanten Überblick über die Geschichte Swakopmunds, lohnt sich aus unserer Sicht vor allem aufgrund der noch recht neuen Ausstellung zu den Menschen Namibias und stellt auf liebevolle Weise Himba, Herero, Nama, Baster und Damara vor.

Als Tagesausflug gut machbar ist die Fahrt nach Cape Cross mit 110 km einfach, dafür aber auf Teer. Hier wohnt eine der größten Robbenkolonien der Welt und das Geruchserlebnis ist nicht in Worte zu fassen. Sollten wir uns noch einmal dorthin verirren, folgen wir dem Rat unseres Reiseführers und reibe mir ordentlich Pfefferminz unter die Nase. Missen möchte ich diese Erfahrung trotzdem nicht.

Für Erledigungen und Basteleien aller Art gibt es hier ausreichend Baumärkte und einen großartig sortierten Offroad- und Campingausrüster Bushwacker. Campinggaz Flaschen lassen sich bei Central Gas befüllen, hinter der Shelltankstelle in der Nelson Mandela Avenue. Und wer Probleme mit dem Landy hat, dem hilft die Werkstatt von Nick Theron weiter, auch hinter einer Shelltankstelle, diesmal in der Vrede Rede Avenue. Wir waren hier mit Beratung und Service hoch einverstanden. Leider so ganz anders als die Erfahrung Mitreisender mit dem Toyotahändler vor Ort.

Ugab-Terrassen statt Twyfelfontein

Wer keine Lust auf Felsmalereien am Brandberg oder die Gravuren von Twyfelfonteein hat aber einen Alternativstop zwischen Swakopmund und Etosha sucht, dem legen wir die Ugab-Terrassen ans Herz. Prima anzusehen vom Campingplatz der Ugab-Terrace Lodge mit drei exklusiven Stellplätzen. Hier hat einst der Ugab-Fluss ein riesiges Tal in die Landschaft gegraben und ein Panorama geschaffen, das uns an Wildwestfilme erinnert.

Etosha in der Regenzeit

Wohl einer der berühmtesten Nationalparks im südlichen Afrika liegt im Norden Namibias rund um die Etosha Salzpfanne, die mit 129 km Länge und 72 km Breite rund 23 % des Parks ausmacht. Der Park eignet sich hervorragend für Selbstfahrer und Allrad ist für die meisten Strassen nicht erforderlich. Es gibt drei große Camps an Wasserlöchern. Okaukuejo ist das größte und liegt am Haupteingang Andersson Gate am Südwestende der Pfanne. Namuntoni liegt am Ostausgang vom Lindequistgate und Halali ziemlich genau in der Mitte.

Am kleinsten und schönsten angelegt ist für unseren Geschmack Namuntoni mit viel Rasen und Schatten. Auch die Sanitäranlagen waren in gepflegtem Zustand. In den anderen beiden Camps dagegen schon etwas runtergekommen. In allen drei Camps wiederum standen Gäste mit Beschwerden an der Rezeption. Ganz so fürchterlich war unser Eindruck nun nicht. Trotzdem können wir bestätigen, das die Angestellten im Park sicherlich nicht durch außergewöhnliche Freundlichkeit bestechen. Und das ist umso ärgerlicher, da der Park sein Geld offensichtlich mit den Campingplätzen macht. Stolze 550 Namib-Dollar, knapp 37 Euro, kostet eine Nacht für zwei Personen. Im Vergleich dazu ist die Parkgebühr selbst mit 80 Dollar, etwa 5 Euro, pro Person und 10 fürs Auto geradezu lächerlich.

Trotzdem lohnt sich ein Besuch aus unserer Sicht. Auch oder vielleicht sogar gerade in der Regenzeit. Üblicherweise sieht man nun weniger Tiere, da sie nicht mehr gezwungen sind, zum Trinken an die Wasserlöcher zu kommen wie in der Trockenzeit. Dafür sind aber auch weniger Touristen da. Die Strassen waren ein rechtes Schlammbad, dafür aber die Temperaturen angenehm kühl. Und das wiederum macht die Tiere deutlich aktiver. So haben wir am helllichten Tag nachtaktive Hyänen, Wüstenluchs und Honigdachse erspähen können. Elefanten waren schwerer zu finden, dafür haben wir insgesamt vier Spitzmaul-Nashörner gesehen. Irre viele Giraffen, Zebras und Antilopen sowieso. Der Park selber ist saftig grün und voller Blumen. Und in der Etoshapfanne steht Wasser. Ein wahrlich beeindruckender Anblick.

Offroadparadies Kaokoveld in der Kuneneregion

Der Nordwesten Namibias ist dünn besiedelt und landschaftlich karg. Viele Offroader bekommen leuchtende Augen, wenn sie von abenteuerlichen Pisten und dem legendären Van-Zyls-Pass berichten. Das wollten wir uns ansehen. Allerdings war klar, nur mit zweitem Auto. Zu schlecht schien uns die Infrastruktur. Zufällig ergab es sich, dass wir Reisende aus Holland kennen lernten. Gemeinsam standen wir in Kamanjab bei Oppikoppi, einem Campingplatz der für Autos mit nicht afrikanischem Kennzeichen umsonst ist. Diese Ersparnis führte dazu, dass wir es uns jeden Abend im zugehörigen Restaurant bei Steak, Burger und Pizza gut gehen liessen und Oppikoppi doch auf seine Kosten kam.

Zu viert mit zwei Autos starteten wir gemeinsam nach Palmwag und bereits dieser Abschnitt besticht durch karge Berge und breite Canyons. Hier leben tatsächlich noch wilde Wüstenelefanten, Wüstennashörner und Löwen außerhalb eines Nationalparks. Und mehr können wir leider nicht berichten, denn eine größere Panne des mitreisenden LandCruisers zwang uns kurz hinter Palmwag zur Umkehr. Wir müssen also wohl oder übel noch einmal wiederkommen.

Unsere Lese-Empfehlungen für Namibia

Stefan Loose: Namibia

Für uns der absolut beste Reiseführer zu Namibia. Die Karten in den Städten sind detailliert und übersichtlich. Die Reiseinformationen und Tipps aktuell und relevant für Reisende, die mit dem Auto auch mal abseits der klassischen Routen unterwegs sind.

Tracks4Africa: Namibia

Zusätzlich zum Navi haben wir auch immer eine Papierkarte zu Hand. Es ist uns schon zu oft passiert, dass entweder der Akku leer oder am Display die Route nicht gut zu planen war. Also Kaffee kochen, Karte auf der Motorhaube ausbreiten und studieren.

Tommy Jaud: Hummeldumm

Fahrten auf den endlosen Rüttelpisten Namibias können ermüden. Unsere Hörbuchempfehlung für lange Transit-Tage ist „Hummeldumm, der Hörbuch“: Wahr, witzig und irre gut gelesen.

5 Comments

  1. Roland Sauter

    Sehr schöne Fotos, dem Text entnehme ich, dass sich eure Begeisterung in Grenzen hielt.

    • Oh, Du liest ja schon unsere feinsten Stimmungen raus. Sagen wir mal so: es war unser vierter Namibia-Roadtrip und wir hatten ein bisschen mehr Zeit, als wir ursprünglich geplant hatten.

      Es war alles wunderbar, nur nicht mehr so mitreißend, wie in den Jahren zuvor. Ich kann es nicht genau erklären, aber die Stimmung ist irgendwie bedrückend geworden, was an der langen Dürre und ihren Folgen gelegen haben mag. In der Kunene-Region waren alle wieder herzlich, lustig und freundlich.

      In Etosha hatten wir eine phantastische Zeit. Die Kunune-Region hat uns nochmal überrascht landschaftlich. Leider war der Trip wegen starken Regens und Reisepartner-Platten jäh zu Ende.

      Ich bin schon gespannt auf Eure Erlebnisse im Norden. Ihr werdet viel Spaß haben.

  2. Was für tolle Bilder mit wahnsinnig tollen Tieren!

    • Stefanie

      Dankeschön. Die Tierbeobachtungen sind für mich das absolut größte. Wobei ich mich mittlerweile vor Elefanten etwas fürchte. Im dichten Gebüsch ist es mir jetzt schon zweimal passiert, dass ich einem Bullen unbeabsichtigt zu nah gekommen bin und er wütend trompetend auf uns los wollte.

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