Naturparadies Rift Valley

Naturparadies Rift Valley

Trotz Aufregung und Verunsicherung nach den Präsidentschaftswahlen 2017 fahren wir nach Kenia. Wir wurden gewarnt vor korrupter Polizei, Kriminalität und stammesverbundenen, kriegerischen Kenianern. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wir erleben wahnsinnig gastfreundliche Menschen, unfassbar schöne Landschaften und die beste Infrastruktur unserer gesamten Afrika-Reise. Und die Polizisten salutieren, wenn wir vorbei fahren. Kenia wird unser ganz persönlicher Favorit auf unserem Afrika-Roadtrip.

Vorallem das Gebiet des Rift Valleys hat es uns angetan. Es ist Teil des afrikanischen Grabenbruchs, der sich von Jordanien bis Mosambik zieht. Durch die Verschiebung der Kontinentalplatten sind hier phantastische Bergzüge und nährstoffreiche Seen entstanden, die vielen Wildtieren und Vögeln Heimat ist. Zum Baden sind die meisten leider trotzdem nicht geeignet. Wie so häufig in Afrika wimmelt es vor Krokodilen und Bilharziosewürmern.

Grenzübergang von Uganda nach Kenia (Malaba Border)

Von Uganda führen zwei Grenzübergänge nach Kenia: Busia und Malaba. Wir entscheiden uns für letzteren. Auf ugandischer Seite sieht alles ziemlich verfallen aus, trotzdem kommen wir schnell voran und haben in einer halben Stunde unseren Pass und unser Carnet ausgestempelt. Die Brücke nach Kenia wird noch gebaut, eine schöne Offroad-Piste führt an den neuen kenianischen Grenzhäusern vorbei. Die Straßenführung ist etwas verwirrend, aber dank viel Gewinke und Gedeute passieren wir nicht illegal die Grenze.

Erste Station: Fiebermessen und Gelbfieberimfpung kontrollieren. Mit unserem Ostafrika-Visum sind wir schnell eingestempelt: Karibu Kenia, willkommen in Kenia. Hier wird auch endlich wieder Swahili gesprochen. Den Schalter, an dem der Zollbeamte unser Carnet stempeln kann, erkannt man meist daran, dass viele LKW-Fahrer wild mit Papieren wedeln und sie in die Guckschlitze der Zöllner stecken. In ganz Ostafrika klappt das alles sehr reibungslos und zügig.

Straßengebühren werden nicht fällig. Sicherheitshalber fragen wir den Grenzbeamten, ob wir jetzt alles haben, er prüft unsere Dokumente, nickt zufrieden und wir sind durch.

Nach einer Stunde sind wir in Kenia. Später erfahren wir von verschiedenen Reisenden, dass wir offenbar ein Foreign Vehicle Permit schuldig geblieben seien. 41 Dollar müsse man für ein Auto mit ausländischen Kennzeichen für einen Monat zahlen, sonst wird bei Ausreise eine zusätzliche Strafe von einem Dollar pro Tag verlangt. Wir googeln, wir durchforsten Foren, aber Belastbares können wir zu diesem Thema nicht finden. In eine Polizeikontrolle gerate wir in ganz Kenia nicht und bei der Ausreise nach Tansania werden wir auch nicht danach gefragt.

Wunderschönes Kerio Valley

Von Malaba ist die nächste größere Stadt Eldoret, die wir schnell hinter uns lassen. Die Stadt ist fest in Hand der Mineralölkonzerne, unfassbar voll, besonders mit Tanklastern aller Größen, dreckig und laut. Etwas außerhalb gibt es einen friedlichen Campingplatz mit einem coolen Restaurant und exzellenter indischer Küche. In den Fels geschlagene Höhlengänge führen zur Bar und zum Restaurant. Das ist auch gut so. Es regnet aus Eimern. Doch wir werden rundum versorgt. Sogar ein Feuer wird nur für uns beide entfacht. Der indische Besitzer gibt uns mit frisches Gemüse aus seinem Garten mit auf den Weg. Im Naiberi Camp hat sogar schon Bill Gates genächtigt. So schön ist es hier.

Am nächsten Tag geht es vorbei an friesischen Kühen über das Elgeyo Escarpment in das kleine Bergdorf Iten. Hier trainieren die kenianischen Marathonläufer. Iten – Home of the Champions steht am Ortseingang. Kaum lasse ich die Kamera sinken, sprintet auch schon die erste Gruppe an uns vorbei. Im Kerio View Hotel erwischen wir ein paar Sonnenstunden und einen tollen Ausblick in das Kerio Valley. Ein wunderschöne Panoramastraße, die C51 führt direkt durch das Tal.

Wir nächtigen im Lelin Overland Camp, einem entzückenden Community Camp, dass von Joyce, Timothy und William mit viel Liebe geführt wird. Vor unserem Stellplatz, direkt am Hang, breitet sich das gesamte Kerio Valley aus. Wir haben Wanderlust. Schon viel zu lange sitzen wir nur faul im Auto herum. Eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, entdecken wir auf unserer Karte einen Wasserfall. Zu erreichen ohne Gebühr, ohne Guide, wir dürfen einfach ‚auffi aufn Berg’. Wir wandern los Richtung Kassup Falls. Auf dem Weg treffen wir Jugendliche, die Kühe hüten und durch den Bach führen. Sie verdienen sich damit ihre Schulgebühren für das Gymnasium. Es ist Selfie-Time. Dutzendfach werden wir zwei weißen Mädels, die hier allein durch den Wald stapfen fotografiert: „Mzungu in the forest“, sage ich und die Buben lachen sich kaputt. Wir plaudern über den Alltag der Jugendlichen, die Schule, Zukunftsträume.

Nachts erspähen wir auf dem Campingplatz einen Pangolin, zu deutsch Gürteltier, und eine Ginsterkatze. Leider ohne Fotobeweis.

Vorbei an den Torok Wasserfällen geht es am nächsten Tag über Kabernet – hier wohnt der amtierende Weltrekordhalter im Marathonlauf – über die Tugen Hills zum Lake Baringo. Unsere blaue Elise darf endlich wieder Bergpässe und Serpentinen fahren, ihre Lieblingsdisziplin. Hinter jeder Kurve breiten sich sagenhafte Weitblicke und Panoramen vor uns aus. Kenia hat unser Herz im Sturm erobert.

Vogelparadies Lake Baringo

Lake Baringo ist der größte der fünf Seen im Rift Valley und markiert auf unserer Reise den nördlichsten Punkt. Hier leben knapp 500 Vogelarten. Kein Wunder, dass der Weltrekord im Vogelbestimmen hier ungebrochen bei 342 in 24 Stunden liegt.

Wir schlagen unser Lager im Robert’s Camp direkt am Lake Baringo auf. Afrikanische Seeadler nisten vor uns in den Bäumen, von unserem Platz direkt neben der Bar können wir Nilpferde, Kormorane, Eisvögel und dutzende anderer Vogelarten beobachten. Paradiesisch. Wir bleiben 4 Tage und genießen des Frieden, die Geräuschkulisse und das Farbenspiels des Sees. Mal ist er gelb, mal rötlich und mal fast lila.

Vor einigen Jahren hat eine Verschiebung der tektonischen Platten dazu geführt, dass der Wasserspiegel des Sees um fast das doppelte stieg. Viele Dörfer, Schulen und auch das erste Camp wurden komplett überschwemmt. Das erklärt, warum im seichten Wasser der Uferzone so viele abgestorbene Bäume stehen. Auf einer Bootstour kann man den See und seine Tierwelt am besten erleben. Zwei Stunden schippern wir mit Louis, unserem Guide, über den See. Ich habe noch niemand mit so messerscharfen Augen getroffen. Wir lernen weibliche von männlichen Eisvögeln zu unterscheiden, beobachten Seeadler beim Jagen, neben unserem Boots tauchen Krokodile und Nilpferde auf und ab. Wir entdecken das riesige Nest des kleinen Hammerkops. Ganz schöne Trümmerlotten, diese Vögel, nicht nur Äste auch Plastik und Moskitonetze werden verbaut.

Beflügelt von diesem schönen Tag beschließen wir nicht weiter nach Äthiopien und Sudan zu fahren und auch nicht von Mombasa nach Italien zu verschiffen. In uns ist ein neues Reisefieber und die Sehnsucht nach dem afrikanischen Busch aufgeflammt: wir fahren zurück nach Kapstadt.

Nachts werde ich von lautem Geschmatze und Gegrunze geweckt. Wir haben Besuch von drei Hippos. Stundelang kreisen und grasen sie um unsere blaue Elise herum. Von unserem Dachzelt können wir sie im Mondschein gut beobachten. Hippogegrunze, das Heulen der Tüpfelhyänen, der Schrei der Schakale und Löwengebrüll, nichts lässt mich nachts besser schlafen. In Kampala habe ich mir eine CD mit den Geräuschen des afrikanischen Busches gekauft, damit ich zu Hause in München meine Lieblingsnachtmusik nicht vermissen muss.

Konflikte in Laikipia

Weil wir von dieser Gegend nicht genug bekommen, und die A104, die große Autobahn Richtung Nairiobi gern vermeiden, fahren wir über die Dörfer nach Süden Richtung Njoro. Vorbei an Marigat, über die Wälder des Mau Forest Reserve bei Eldama Ravine, erreichen wir über die kleinen, gemütlichen Orte Molo und Elburgon unsere nächste Station: die Kembu Campsite in der Nähe von Njoro. Hier wollen wir versuchen mit Andrew dem Besitzer ins Gespräch zu kommen. Er wurde uns als guter Ratgeber empfohlen, wenn es um Reisen in das Gebiet von Laikipia geht. Hier brodeln seit Anfang des Jahres Konflikte zwischen Viehzüchtern und Farmern.

Ergebnis: Laikipia werden wir auf dieser Reise nicht bereisen. Die vielen Naturreservate in dieser Gegend hätten mich deswegen interessiert, weil ich immer noch auf der Suche nach den bedrohten Wilddogs bin. In einigen dieser Schutzgebiete, die früher Farmen waren, haben Naturschützer die Tiere mit Peilsendern ausgestattet. Leider ist Laikpia seit Anfang des Jahres 2017 zu einem kleinen Krisengebiet innerhalb Kenias geworden. Die kenianischen Viehzüchter leiden in diesem Jahr unter der furchtbaren Dürre. Sie treiben deshalb ihre mageren Rinder aus dem armen, kargen Norden auf die fruchtbaren Gebiete der Schutzreservate, zum Teil mit Waffengewalt. Im Frühling wurde die berühmte Naturschützern Kuki Gallmann angeschossen. Wenig später wurde der Besitzer der Sosian Ranch ermordet. Seitdem ist die Ranch im Westen Laikipias geschlossen. Auch viele Wildtiere fallen den Übergriffen Viehzüchtern zum Opfer.

Nach Rücksprache mit weiteren ortskundigen Kenianern haben wir dieses Gebiet auch im September noch großräumig umfahren und Nanyuki und den Mount Kenya nicht besucht. Es hätte hier zwei schöne Offroadstrecken geben, die uns interessiert hätten: Kurz hinter Iten führt ein Weg auf dem Elgeyo Escaprment entlang nach Tot im Norden, immer am Kerio Valley entlang zum Lake Baringo. Vom Lake Baringo soll eine schöne Piste über den Westen Laikipias nach Nanyuki führen. Beim nächsten Mal.

Entspannen am Lake Naivasha

Von Njoro fahren wir auf direktem Weg Richtung Naivasha. In dem kleinen Ort versorgen wir uns in der Buffalo Mall mal wieder mit sämtlichen Spezereien, die wir seit Monaten vermissen: gutes Grillfleisch, frisches Gemüse, eine tolle Käseauswahl, Cappuccino und Zimtschnecke. Auf dem Weg zu unserem Nachtlager in Carnelly’s Camp fahren wir einmal um den Lake Naivasha, vorbei an Rosenzuchten und Blumenfarmen.

Der Lake Naivasha wirkt etwas schroffer als der Lake Baringo. Naivasha bedeutet so viel wie raues Wasser. Der See wirkt eher düster und nachmittags zieht meist ein starker Wind auf. Trotzdem kann man hier in der Gegend herrlich entspannen. Das Carnelly’s Camp hat eine sehr gemütliche Bar mit einer riesigen Lounge. Hier kann man herrlich herum lungern und die besten Nachos mit Hackfleisch und Käse überbacken essen, die die Welt je gesehen hat. Tagsüber beobachten wir Habichte auf ihrem Beutezug durch die umliegenden Nester. Nachts besuchen uns wieder Nilpferde.

In der Gegend gibt es viel zu erleben und wir machen zwei nette kleine Ausflüge. Der erste führt uns nach Crescent Island, einer Halbinsel im Lake Naivasha auf der man zwischen Giraffen, Zebras, Gnus, Wasserböcke, Pelikanen und Gazellen spazieren und die Ausblicke auf den See genießen kann. Der Eintritt ist mit 30 USD pro Person etwas happig, wir haben trotzdem Spaß.

Am nächsten Tag geht es in den Hell’s Gate Nationalpark.

Auf dem Mountainbike durch den Hell’s Gate Nationalpark

Raubtiere sind im Hell’s Gate Nationalpark heutzutage nicht mehr zu finden. Wir nutzen also die Gelegenheit und mieten uns am Eingang Mountainbikes. Nach 9 Monaten im Auto tut uns Bewegung gut. Wir radeln vorbei an Büffeln, Giraffen, Zebras und Antilopen. Die landschaftliche Kulisse des kleinen Nationalparks ist malerisch. Felskliffs, Schluchten, weite Blicke. An der Schlucht Hell’s Gorge steigen wir ab und es geht zu Fuß weiter. Dank unserer alpinen kanadischen Begleitern, kraxeln wir wie die Bergziegen durch die engen Flussläufe bevor wir zu fotogenen Schlucht kommen.

Beschildert sind die Wege nicht, am Eingang empfiehlt der Ranger einen Maasai als Guide mitzunehmen. Wir versuchen allein unser Glück, mit Unterstützung von Pocket Earth und meinen Handykarten finden wir uns gut zurecht. Der Weg ist allerdings viel beschwerlicher als erwartet, wie gut, dass wir zwei starke Kanadier dabei haben, die uns über die ein oder andere Hürde einfach hinwegheben. Zurück geht es wieder auf unseren Rädern und die Sattel sind erstaunlich unbequem. Gut, dass wir morgen wieder mit Elise fahren dürfen.

Unsere Route durch das Rift Valley

One Comment

  1. Fahrräder sind die neuen Pferde. Ein Sattel will schon 6 Monate eingeradelt werden, bis er bequem „sitzt“. Wie lange wart ihr auf den Rädern unterwegs und habt ihr ein Video gemacht? Das wäre schön.

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