Reisebericht: Die kanadischen Rocky Mountains

Reisebericht: Die kanadischen Rocky Mountains

Aktualisiert am 13. Februar 2016 um 10:23

Banff ist ein kleines verschlafenes Städtchen, dass schon auf dem Reißbrett als Touristenmagnet angelegt wurde. Das hat uns anfangs etwas abgeschreckt, aber die Angst ist völlig unbegründet. Man kann es sich hier wundervolle Tage machen. Ein drolliges Städtchen, mit Wildwest-Saloon und einer Pride Parade, die wir leider nur knapp verpassen. Ausgerichtet von der Banff Drag Academy!!!

Donnerstag, 19.9.2013
Ausflug und Wanderung am Lake Louise. Wir fahren den beschaulicheren Bow Valley Parkway anstatt des Trans-Canada-Highway. Im Lake Louise Village informieren wir uns im Besucherzentrum über die Bärenlage. Auf den stark frequentierten Wegen rund um den Lake Louise braucht man sich keine Sorgen zu machen. Die Strecken um den Moraine Lake, Paradies Valley und das Hinterland zwischen den beiden Seen ist allerdings bedenklicher. Hier darf man zur Zeit nur in 4er-Gruppen los, da eine Grizzly-Mutter mit ihren drei Jungen durch die Wälder streift.

Am Chateau Lake Louise prügeln sich die Horden am Steg des Sees um das beste Erinnerungsfoto und auch auf den ersten Metern des Wanderweges am See entlang, ist noch reger Verkehr. Sobald man allerdings Richtung Gletscher läuft und die längere Strecke zum Teahouse am Lake Agnes wählt ist man bald allein und kann das gigantische Bergpanorma und das milchige türkis des Sees ganz für sich genießen.

Die Route ist etwas länger als im Führer beschrieben, insgesamt sind wir doch 5 Stunden unterwegs. Aber jeder Schritt lohnt sich. Hütten heißen hier Tea houses. Zum Morain Lake machen wir nur einen kurzen Abstecher, bevor es zurück nach Banff geht.

Es ist Stampede Thursday in Wild Bill’s Saloon. Das bedeutet: Line Dancing, Bull Riding und Live Band.
Nach dem Cowboy Boogie ziehen wir allerdings weiter in den Irish Pub und stärken uns mit Shephard’s Pie.

Freitag, 20.9.2013
Heute erkunden wir Banff und seine nährere Umgebung. Nach einem kleinen Stadtbummel spazieren wir Starbucks gestärkt zum Surprise Corner Viewpoint und den Bow River Trail entlang. Tosende Stromschnellen, türkiser Fluss, blauer Himmel, eine gewaltige Bergkulisse. Alles fühlt sich an wie eine Westernkulisse. Im mir rührt sich das Bedürfnis nach Cowboyhut und Pferd.

In den Upper Hot Springs gesunden wir in 40 Grad warmen Quellwasser. Anschließend geht es mit der Banff Gondola auf den Sulphur Mountain. Die Gondeln wecken Kindheitserinnerungen. In den 80ern haben wir uns im Skiurlaub zuletzt in diese schraddeligen 4er-Sadinenbüchsen geklemmt. Ich denke nur: die haben hier keinen TÜV! Und schon brettern wir in die Höhe. Das Panorama ist den Nervenkitzel und auch seinen Preis – 35 CAD pro Person! – wert.

Von der Bergstation aus läuft man einen hölzernen Skywalk hinauf zu einer verlassenen Wetterstation. Informationstafeln erläutern Flora, Fauna und die umliegenden Berge. Bevor man mit der Horde den Gipfel erklimmt sollte man ein paar 100 Meter den Geröllweg RIchtung Cave & Basin hinabsteigen und sich einen Sitzplatz in der Felswand suchen. Sobald keine Wanderer mehr auf dem Weg sind, wird es ohrenbetäubend still. Auch das Getrampel vom Skywalk ist nicht mehr zu hören. Nur wenn eine Krähe ihre Kreise zieht krächzt irgendwo in einem Wipfel ein aufgebrachtes Eichhörnchen. Der Wind rauscht beruhigend durch das Tal und über die Gipfel. Für einen kurzen Moment ist man der einzige Mensch auf dieser Welt.

Das Wetter ist den ganzen Tag herrlich sommerlich, die Banffies tragen Flipflops und Shorts, die Touris Schneestiefel und arktische Funktionsklamotte. Patios und Straßencafés werden bestuhlt und alle sitzen draußen.

Zu Abend essen wir im Tooloulou’s, einem kleinen Cajun-Restaurant. Es gibt Baby-Back-Ribs mit Sweet Potato Fries und Blackened Chicken mit Cajun Fries. Ausgezeichnet.

Samstag, 21.9.2013
Weiterfahrt nach Jasper über den Icefields Parkway. Diese Strecke wird als die schönste Panoramastraße Kanadas in sämtlichen Broschüren und Reiseführern angepriesen. Zu recht. Soviele Superlative und Adjektive kann ich mir gar nicht ausdenken, um zu beschreiben, wie beeindruckend diese 250 Kilometer sind. Entlang der Route kann man an zahlreichen Aussichtspunkten und Rastplätzen halten, oder zu kleinen und mittellangen Wanderungen aufbrechen. Im Besucherzentrum in Lake Louise bekommt man ein praktische Faltblatt über die wichtigsten Stationen und Wegpunkte.

Unser erster Gletscher: Crowfoot Glacier.
Unsere ersten Bergziegen am Cornwell Rastplatz.
Als wir am Columbia Icefield der größten zusammenhängenden Eisfläche außerhalb der Antarktis ankommen regnet es leider so stark, dass wir uns nicht zur Zungenspitze des Athabasca Gletscher wagen. Aber selbst durch die Wolken hindurch schimmert das blaue Gletschereis eindrucksvoll.

Sonntag, 22.9.2013
Wanderung „Castle Meadows“ am Mount Edith Cavell vorbei am Angel Glacier. Das Wetter ist etwas unbeständig und als wir am Parkplatz angekommen, beginnt es zu nieseln. Immerhin laufen wir knapp 3 Kilometer bis zum ersten Aussichtspunkt und haben die ersten Schneeflocken diesen Jahres im Gesicht. Die Nordwand des Mt. Cavell gewinnt wolkenverhangen und verschneit noch mehr Eindruck.

Montag, 23.9.2013
Ausflug zum Lake Medicine. Der Medicine Lake verliert im Herbst sein Wasser an unterirdische Schluchten und sieht aus wie die Nordsee bei Ebbe. Am Maligne Lake machen wir nur die kleine Wanderung „Mary Schaeffer“. Zur Spirit Island fahren wir nicht. Da bringt einen nur ein Boot hin für schlappe 62 CAD.

Kleine Stärkung in der wundervoll bezaubernden Bear Paw’s Bakery.

In ortsnähe laufen wir noch zum Old Fort Point, um einen herrlichen Rundumblick über Jasper, den Athabasca River und die umliegenden Berge zu genießen. Auf dem Weg begegnen uns Wapitis und Weißwedelhirsche. Keine Bären, obwohl wir ihnen immer näher kommen: Sowohl das Gebiet um den Wanderweg „Bald Hills“ am Lake Maligne beherbergt gerade einen Grizzly und im Schutzgebiet um den Ort Jasper wurden ebenfalls Grizzlys und Schwarzbären gesichtet. Wir halten weiterhin respektvoll Abstand so gut es geht.

2 Comments

  1. Pingback: Reisebericht British Columbia und Vancouver Island - Giraffe 13

  2. Wow! Die Bilder sind echt traumhaft! Wir waren zwar auch schon mal in Kanada (an der Ostküste), aber in die kanadischen Rockies habenw ir es leider noch nicht geschafft. Ich hoffe es klappt in naher Zukunft mal :).

    LG Thomas

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