Sansibar Reisebericht – überschätztes Inselparadies

Sansibar Reisebericht – überschätztes Inselparadies

Aktualisiert am 28. August 2017 um 03:02

Knapp 50 Kilometer östlich vom Festland liegt das Urlaubsparadies Sansibar, das neben der historischen Altstadt Stone Town herrliche weiße Sandstrände zu bieten hat. Doch abseits der Hotelbunker zeigt die Insel ein anderes Gesicht.

Vor allem weil wir nicht von unserer blauen Elise getrennt sein wollten, hatten wir einen Besuch auf Sansibar eigentlich ausgeschlossen. Da uns aber wiederholt vorgeschwärmt wurde, wie herrlich diese Insel sei und sich eine gute Parkmöglichkeit für unseren Landy ergab, entschlossen wir uns doch zu diesem Kurzurlaub. Der Strand war traumhaft keine Frage und fünf Tage keine Overlander-Probleme lösen noch herrlicher. Aber insgesamt waren wir enttäuscht von Sansibar.

Die Bewohner der Insel bekommen wie so häufig, vom Tourismus, der hier fest in italienischer Hand ist, wenig ab. Dass das bei Einheimischen zu großem Unmut führt, ist nachvollziehbar. Entsprechend unfreundlich bis aggressiv empfanden wir manche Begegnung auf unseren Spaziergängen. Fährt man über die Dörfer sieht man Dreck, Hunger und Armut. Da ist es zumindest uns schwer gefallen, das Idyll der Strandchalets zu genießen. Wahrscheinlich gilt das für viele solcher Urlaubsparadiese, aber für uns ist das nicht das Richtige.

Auto unterstellen in Dar es Salaam

Nach Sansibar fährt nur einmal pro Woche eine Autofähre. Da es praktisch keine Campingmöglichkeit auf der Insel gibt, lässt man den Campervan besser auf dem Festland zurück. Möglich ist das etwa an den beiden Campingplätzen Mikadi und Kipeopeo am Südstrand von Dar es Salaam für 5 US-Dollar am Tag.

Wir haben in Mikadi übernachtet und der Platz hat bei uns keinen guten Eindruck hinterlassen: ungepflegt, verdreckt und das Personal ist desinteressiert bis unfreundlich. Die Kommentare in der App „iOverlander“ zu Kipeopeo klangen noch schlechter. Kigamboni und seine früher so beliebten Strände scheinen die besten Zeiten hinter sich zu haben. Wir waren also froh, unseren Landy Elise bei Bekannten in Dar es Salaam unterstellen zu können. Allerdings haben wir Reisende getroffen, deren Wagen auch nach vier Tagen noch wohlbehalten in Mikadi stand. Empfehlen würden wir diese Variante nicht.

Anreise mit der Fähre

Wir haben uns für die Anreise mit Azam Marine Ferries entschieden. Die Fähren fahren viermal täglich (7.00, 9.30, 12.30 und 16.00 Uhr), Fahrtdauer zwei Stunden und kosten 35 US-Dollar pro Person. Unsere Tickets haben wir online über die Webseite reserviert und dann am offiziellen Hafenbüro abgeholt. Auf der Homepage von Azam steht zwar, dass die Reservierung nur nach Bezahlung gehalten wird. Es war jedoch kein Problem, die Karten erst bei Abholung zu bezahlen. Am Hafen selbst versuchen etliche Trickbetrüger günstigere und zum Teil gefälschte Tickets zu verhökern.

Die Schiffe von Azam Ferries sind in sehr gutem Zustand. Es gibt wohl noch einen zweiten günstigeren Anbieter, Flying Horse, dazu haben wir aber keine vernünftigen Informationen gefunden. Optisch wirkten sie nicht sehr vertrauenerweckend. Wer es luxuriöser mag, kann auch fliegen.

Sansibar strebt die Unabhängigkeit von Tansania an und hat mittlerweile einen halbautonomen Status. Bei Einreise führt das dazu, dass es Passkontrollen gibt und gelegentlich ein Gelbfiebernachweis gefordert wird.

Tipp: Wir haben wiederholt von verschiedenen Reisebekannten gehört, wie unsicher eine Fahrt mit Taxis in Dar es Salaam sei. Raubüberfälle sind leider keine Seltenheit. Und wir haben keinen einzigen „Local“ am Hafen in ein Taxi steigen sehen. Uber ist in Afrika sehr beliebt und wir sind damit in Dar es Salaam sehr gut gefahren.

Durch die historische Altstadt von Sansibar

Stone Town ist die historische Altstadt von Zanzibar City und war früher ein wichtiger Handelshafen der Araber, die von hier aus Gewürze und Sklaven in die Welt verkauften. Lohnend ist ein Besuch des ehemaligen Sklavenmarkts mit angeschlossenem kleinen Museum, das diese wenig rühmliche Geschichte darstellt.

Ansonsten waren wir beide von Stone Town ehrlich enttäuscht. Die Häuser der Altstadt sind trotz Unmengen von Fördergeldern ziemlich verfallen und wenig gepflegt. Will man, so wie wir, gemütlich ohne Guide durch die verwinkelten Straßen bummeln, wird der Spaziergang schnell zum Spießrutenlauf. Auf Schritt und Tritt muss man sich gegen Taxifahrer, Guides oder Verkäufer zur Wehr setzen, wobei die Läden im Wesentlichen alle den gleichen Nippes anbieten: Gewürze, Öle, Bilder und Tücher.

Damit waren wir so beschäftigt, dass wir dreimal am Geburtshaus Freddie Mercurys vorbeigelaufen sind. Hier erinnert lediglich ein Schaukasten mit drei Fotos an den berühmten Sansibari, der bei der islamisch geprägten Bevölkerung wenig beliebt zu sein scheint. Der Besuch auf dem Darajani Market war schon interessanter. Hier werden in den kleinen verbauten Marktständen frisches Fleisch, Gemüse und Alltägliches zum Kauf geboten.

Tolle Bilder sieht man oft vom Forodhani Food Market, wo jeden Abend im Stadtpark Fisch- und Fleischspieße angeboten werden. Bei unserem Besuch waren die Köche vor allem damit beschäftigt, Fliegen von den Spießen zu vertreiben und zur Begrüßung ist uns eine sterbende Katze vor die Füße gefallen. Zum Essen haben wir uns lieber das viel gerühmte Restaurant „Monsoon“ direkt gegenüber ausgesucht. Die Bedienung war leider außergewöhnlich unfreundlich und das Essen bestenfalls mittelmäßig.

Zum Übernachten haben wir uns über „booking.com“ eine kleines, aber feines Hotel gegönnt: Beyt al Salaam. Mitten in der Stadt, mit arabisch-sansibarischem Flair und einem schönen Ausblick. Das Restaurant bietet exzellente einheimische Küche und das Personal ist äußerst hilfsbereit.

Matemwe – ruhiger Nordosten

Zum Strandurlaub gibt es auf der Insel viele verschiedene Destinationen: Wer Party und Low Budget Unterkünfte sucht, scheint mit Nungwi oder Kwenda im Norden, sowie Paje und Jambiani im Süden gut bedient. Das Kwenda Rocks ist berühmt für seine Vollmondpartys. In Kiwengwa im Osten warten große Resorts auf die Horden. Ruhiger geht es zu in Pongwe und Chakwa, ebenfalls im Osten, in Bwejuu im Süden und auch in Matemwe im Norden, was wir uns ausgesucht haben.

Die größeren Orte der Insel wie Paji und Jambiani sind gut mit Bussen zu erreichen, die kleineren mit Taxis. Die Fahrt nach Matemwe hat eine gute Stunde gedauert und 40 US-Dollar gekostet. Wir quartieren uns im Zanzibar House ein und genießen das Inselleben. Von italienischer Gastfreundschaft und Küche lassen wir uns eine Woche nach Strich und Faden verwöhnen.Wir konnten uns weder zur Bootsfahrt noch zur Gewürztour aufraffen. Faul liegen wir im Sand und beobachten das Strandleben um uns herum.

Ein alte Frau schleppt kiloweise Feuerholz auf ihrem Kopf balancierend den Strand entlang. Sie legt die Palmwedel zum trocknen in den weißen Sand und beginnt diese zu bearbeiten. Sie hält die langen Äste hoch über den Kopf und schlägt sie dann mit einem schnellen Schwung auf den Boden. Schwerstarbeit. Ein paar hundert Meter weiter trainiert ein Mzungu (europäischer Tourist) seinen Bauchansatz mit fünf Alibi-Liegestützen ab, seine Frau macht Pilates. Am Matemwe Beach prallen noch Kulturen aufeinander, der Massentourismus ist hier noch nicht angekommen.

Der türkisblaue indische Ozean hat einen ordentlichen Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Manchmal steht das Wasser bis an die Stufen unserer Unterkunft. Nur ein paar Stunden später spazieren wir kilometerweit über den weißen Sand zur Brandung.

Bei Ebbe beobachten wir Frauen bei der Arbeit auf ihren „Seetangplantagen“. Dieser wird zum Beispiel für Vegetarier als Fleischersatz verwendet oder pulverisiert Kosmetika zugesetzt. Zum Baden war es selbst im afrikanischen Winter angenehm warm. An der Ostküste weht meist ein strammer Wind, für Kitesurfer ein Paradies.

Wir haben uns gefreut, dass es hier weder Zäune noch Mauern zum Strand gibt und erst auf den zweiten Blick erkannt, dass schwer bewaffnete Wachmänner nachts durch die Anlagen patrouillieren.

Unsere Route auf Sansibar

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