Serengeti für Selbstfahrer – Infos und Tipps

Serengeti für Selbstfahrer – Infos und Tipps

Die Serengeti ist unumstritten einer der berühmtesten Nationalparks. Die unendliche Weite der Grassavanne ist Heimat eines der letzten spektakulären Naturereignisse: der great migration. Über eine Million Gnus machen sich nach der großen Regenzeit alljährlich auf den Weg nach Kenia der Verlockung von frischem Gras folgend durchqueren sie dabei krokodilverseuchte Flüsse. Serengeti für Selbstfahrer – wir haben Infos und Tipps zusammengestellt.

In diversen Reiseführern und Overlander-Foren kursieren die wildesten Gerüchte über Tansanias Nationalparks: Selbstfahren sei verboten oder wenigstens von der Nationalparkbehörde nicht erwünscht, ausländische Autos würden nicht mehr in die Parks gelassen, ohne Touroperator gehe gar nichts …

Alles falsch: Es ist überhaupt kein Problem mit dem eigenen oder einem gemieteten Auto selbst auf Pirschfahrt in sämtlichen tansanischen Nationalparks zu gehen. Einzige Voraussetzung für die Serengeti: Ein ordentlicher, gut gewarteter und ausgerüsteter Geländewagen. Die Pisten sind das Übelste, was wir auf unserer ganzen Afrikareise erlebt haben: Wellblech vom Gröbsten.

Die beste Reisezeit

Von März bis Ende Mai ist in Tansania große Regenzeit. Im Anschluss daran von Juni bis August ist die beste Zeit für Tierbeobachtungen in der Serengeti. Die Pisten sind nun wieder befahrbar und es gibt viele Jungtiere zu sehen. Mit etwas Planung und einer Portion Glück kann man die Great Migration beobachten. Die kleine Regenzeit von Oktober bis November beeinträchtigt die Reise eher selten. Wir waren Ende Juli unterwegs also weit weg von beiden Regenzeiten und hatten trotzdem immer wieder Schauer. Die Natur hält sich erfreulicherweise eben an keinen Kalender.

Parkgebühren

Eine aktuelle Übersicht bietet die Webseite der Nationalparkbehörde. Stand 2017 kostet der Eintritt für Touristen 60 USD pro Person. Das Permit ist 24 Stunden gültig und erlaubt nur einen einmaligen Eintritt. Übernachtet man also nicht im Park wird am nächsten Tag ein neues Permit fällig. Für ein Auto mit ausländischem Kennzeichen und einem Gewicht unter 2000 Kilogramm werden pro Tag weitere 40 USD fällig. Netterweise haben alle Parkranger beim Gewicht unseres Landys ein Auge zu gedrückt. Dass unsere Elise nur zarte 1800 Kilo auf die Waage bringen soll, hat keiner angezweifelt. Autos, die schwerer als 2000 kg sind, müssten eigentlich 150 USD bezahlen.

Ein Stellplatz auf einem der beiden öffentlichen Campingplätze kostet 30 USD pro Person. Ein Platz auf einer „special campsite“ 50 USD pro Person.

Die Bezahlung erfolgt ausschließlich über Kreditkarten. Barzahlung ist nicht möglich.

Tipp: Wer erst Spätnachmittag in den Park fährt, darf laut der 24-Stunden-Regel bis zum späten Nachmittag des nächsten Tages bleiben. Für uns war das optimal, so konnten wir die Zeit im Park am besten nutzen.

Droht ein Permit abzulaufen, kann man es an jedem Gate (siehe An- und Abreise), am Seronera Airstrip und am Kogatende Airstrip verlängern.

3 Tage Safari als Selbstfahrer in der Serengeti kosten pro Person (plus Auto und Übernachtung): 60 + 40 + 30 * 3 = 190 USD. Dazu kommen dann leider noch 18 Prozent VAT (Mehrwertsteuer).

Serengeti für Selbstfahrer: Die An- und Weiterreise

Die Lake Natron Route zum Klein’s Gate: Der Weg in den Norden der Serengeti führt durch Masaai-Land. Vorbei am Ol Doinyo Lengai, dem heiligen Berg der Masaai und letzten aktiven Vulkan, zum rotleuchtenden Lake Natron und durch eine Halbwüste in der die Masaai leben. Wir sind diese Route leider nicht gefahren. Sie muss landschaftlich sagenhaft sein. Unsere Reiseführer, die ich an späterer Stelle noch verreißen werde, warnte vor Überfällen und horrenden Mautgebühren. Wir haben von mehreren Reisenden erfahren, dass für zwei Personen und ein Auto 90 USD für die Durchfahrt erhoben werden.

Durch die Ngorongoro Conservation Area zum Naabi Hill Gate: Ab durch die Mitte sozusagen. Da wir uns einen Blick auf den berühmten, tierreichen Vulkankrater der Ngorongoro Conservancy nicht entgehen lassen wollen, hatten wir uns für diese Route entschieden. Transit-Kosten für zwei Personen und ein ausländisches Auto: 180 USD plus 18 Prozent VAT. Ein Permit für die Fahrt in den Krater hätte zusätzlich 295 USD für 6 Stunden gekostet. Man fährt eine ganze Weile oben am Kraterrand entlang und erhält am Crater Viewpoint einen phantastischen Blick in den Garten Eden. Mit einem guten Fernglas kann man schon sehr viele Tiere aus der Ferne erspähen.

Weiter geht es über wolkenverhangene Berge, bevor sich dürres Masaai-Weideland vor einem ausbreitet. Landschaftlich schön, menschlich eine Katastrophe. Zugunsten des Nationalparks wurden die Masaai, die in diesem unwirtlichen Teil Tansanias versuchen von Viehzucht zu leben, vertrieben. In den 50er Jahren wurde ein Teil der Conservation Area wieder an die Masaai zurückgegeben. Die Menschen, die hier leben, sahen arm und schlecht ernährt aus, betteln jedes Auto an, das vorbeifährt. Dass hier offensichtlich gar kein Geld von den horrenden Eintrittsgeldern ankommt, ist eine Frechheit.

Die Piste durch die Conversation Area bis zum Naabi Gate ist in einem katastrophalen Zustand. Steiniges Wellblech, dass Auto und Passagiere nach wenigen Kilometern an den Rand eines Zusammenbruchs gerüttelt hat. Unsere Bilanz: der Dachgepäckträger ist an diversen Stellen gebrochen, zwei Steinschläge und ein beschädigtes Reserverad. Unterwegs trafen wir Landcruiser mit gebrochenen Blattfedern, kaputten Motorhauben, Reifenplatzen, Löchern im Tank.

Über das Ikoma Gate im Westen: scheinbar die kürzeste Route aus dem Park heraus. Uns wurde aber von mehreren Guides versichert, dass die Piste außerhalb des Parks in einem sehr schlechten Zustand ist.

Über Ndabaka Gate im Westen: von Seronera zum Westtor ist die Piste über weite Strecken gut befahrbar. 20 Kilometer in der Mitte dagegen sind durch das hochaufgetürmte Wellblech sehr schlecht. Nach dem Gate beginnt die Teerstraße nach Mwanza zum Viktoriasee oder nach Norden zu kenianischen Grenze.

Serengeti für Selbstfahrer: Durch den Park

Die Karten, die es in den Shops und in Arusha zu kaufen gibt, sind für Selbstfahrer nicht hilfreich. Man braucht unbedingt ein Navi mit aktuellem Kartenmaterial: Tracks4Africa, maps.me und PocketEarth haben uns alle die richtigen Strecken und Wegpunkte mit der nötigen Detailtiefe angezeigt. Die Beschilderung im Park ist nur an großen Verkehrsadern vorhanden. Vor allem im Norden Richtung Kogatende verirrt man sich ohne Navi schnell im Pistengewirr.

Im Herzen der Serengeti: Rundum Seronera muss man sich darauf einstellen, zwischen dutzenden Fahrzeugen der Touroperator im Stau zu stehen. Vor allem wenn Katzen in der Nähe sind. Die vielen kleinen Kringel rund um die Hippo Pools sind sehr kurzweilig. Elefanten, Giraffe, Hippos, Antilopen und viele Löwen. Davon zwei Rudel, die gerade gejagt hatten. Eine weitere schöne Runde ist, den Seronera entlang zu den Masaai Kopjes zu fahren.

In den einsamen Norden: Im Juli macht sich die Gnu-Herde auf nach Norden, um bei Kogatende über den Mara-Fluss ihre Wanderung Richtung Masaai Mara in Kenia fortzusetzen. Schon bei Lobo in der Mitte des Nationalparks trafen wir die letzten großen Gnugruppen an. Sie laufen mal in Reih und Glied, mal galoppieren sie laut blökend in einer riesigen Staubwolke über die Savanne. Kurz vor dem Klein’s Gate geht ein Abzweig Richtung Bologonja und Kogatende. Eine sehr schöne Route auf der uns große Büffelherden, Zebras, Elefanten und Gnus begleiten.

Wir sind mitten drin in der Great Migration. Rund um Kogatende, wo es einen Flugplatz, einen Rangerposten und etliche Campingplätze gibt, kann man auf vielen Wegen am Fluss entlang auf Pirschfahrt gehen. Wir haben das Glück nur zwei Kilometer flussaufwärts drei Flussdurchkehrungen der Gnus beobachten zu können. Einmal waren wir beinah Teil der Herde. Die Dynamik, die 10.000 Gnus ausstrahlen, wenn sie sich auf den Sprung in den Fluss vorzubereiten scheinen, verschlägt einem die Sprache.

Durch den Western Corridor: Hier müssen kurz nach der Regenzeit die riesigen Gnu-Herden zu finden sein. Anfang August ist es hier recht ruhig. Dafür eine gute Gegend, um Geparden aufzuspüren.

Die Tierwelt in der Serengeti

Wir haben auf all unseren Safaris – in der Serengeti absolvieren wir unseren 81. Game-Drive – und in keinem anderen Nationalpark derart große Tierherden gesehen. Tausende und abertausende Gazellen, Zebras, Giraffen, Antilopen jeglicher Art, Büffel und dazwischen die letzte große Gnuherde dieser Erde, über eine Million sollen es sein.

Da fühlen sich die Räuber natürlich wohl. An nur einem Nachmittag haben wir in der Gegend um Seronera an einem Nachmittag 23 Löwen gesichtet. Aber auch nach Leoparden, Geparden, Serval, Hyänen und Schakalen mussten wir nicht lange suchen.

Wer es rechtzeitig zur Great Migration schaffen will, kann auf der Webseite „Herdtracker“ die Wanderung der Gnus mitverfolgen.

Camping im Serengeti Nationalpark

Im Serengeti Nationalpark gibt es zwei öffentliche Campingplätze für die man keine Vorreservierung braucht und sie unkompliziert an allen Gates buchen und direkt bezahlen kann. Dann gibt es noch zahlreiche special campsites, die man am Klein’s Gate im Norden buchen kann. Sowohl am Naabi Gate, als auch am Serenera Airstrip hatten wir unterschiedliche Informationen dazu erhalten. Wenn man lange genug fragt und hilflos schaut, findet sich allerdings immer ein MItarbeiter, der einem weiterhelfen und an das richtige Gate verweisen oder mal eben schnell anrufen kann. Ansonsten lassen sich alle Plätze auch beim TANAPA Büro in Arusha buchen.

Seronera: Die öffentlichen Camps liegen weit verstreut im Busch und man teilt sie sich mit etlichen Reisegruppen. Es ist aber, soweit wir das beurteilen konnten auf allen genug Platz.

Lobo: Recht kleiner Platz in der Mitte des Parks, dafür mitten in der Natur. Büffel grasen einen Steinwurf entfernt, Zebras und Gnus grasen. Nachts hört man Löwen brüllen und Hyänen

Woga Extra: Wir sind uns nicht ganz sicher wie offiziell dieser Platz ist. Wir hatten den Tipp erhalten, trotz Buchung den Ranger in Kogatende nach einem näheren Platz am Fluss zu fragen. Sehr hübsch, mitten im Busch, keine Anlagen, nachts kommt ein Leopard vorbei, Hyänen rufen, Löwen brüllen, Hippos grunzen. Was braucht man mehr.

Buchtipps für eine gelungene Safari

Safari Companion von Richard Estes: Noch viel spannender als die Tiere zu bestimmen, ist es, ihr Verhalten zu beobachten und zu verstehen. Warum schürzt der Springbock die Lippen? Warum guckt das Gnu? Wo verstecken sich Leoparden? Sind Löwinnen gute Mütter? In unterhaltsamen und interessanten Erzählstil bringt Richard Estes einem das Verhalten afrikanischer Säugetiere näher.

Tracks & Signs: Spurenlesen für den Hobby-Safari-Guide. Wer ist denn da lang getapst, der Löwe oder war es doch nur ein Schakal? Der abgeknabberte Baum verrät genau so, welches Tier hier lebt. Wer die Zeichen der Natur um sich herum besser deuten lernen will, ist mit diesem Buch gut beraten.

4 Comments

  1. Sammi Heineking

    Ich bewundere euch uneingeschränkt für euer Durchhaltevermögen. Tolle Fotos

  2. Birgit Buck

    Einfach herlich eure Berichte. Vielen Dank und weiterhin eine gute Fahrt!!

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