Uganda – nichts für Overlander

Uganda – nichts für Overlander

Uganda könnte das perfekte Reiseland in Ostafrika sein: Safaris, Schimpansen und Berggorillas, Bergregionen zum Wandern und die Quelle des Nils. Könnte, wenn es nicht so unfassbar teuer wäre. Wir haben ein paar Tipps für den schlanken Geldbeutel.

Uganda ist toll, nur leider nicht für Overlander, die mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Als Tourist kann man hier in wenigen Wochen, auf guten Straßen ein tolles Afrika-Abenteuer erleben. Die Parks sind günstiger als in Kenia und Tansania, wenn man mit einem Mietwagen unterwegs ist.

Die klassische Uganda-Rundreise

Vom Flughafen in Entebbe, unweit der ugandischen Hauptstadt Kampala, geht es direkt in den Südwesten des Landes. Zum Bwindi Impenetrable Forest. Wer sich in dieses letzte Stückchen »undurchdringlichen« Regenwald wagt, wird mit Berggorillas belohnt. Hier kostet das Permit immerhin nur 600 US-Dollar pro Person. Im Vergleich zu 1500 US-Dollar in Ruanda ein echtes Schnäppchen.

Weiter geht es Richtung Norden zum Queen Elizabeth Nationalpark. Für 40 US-Dollar pro Person kann man hier auf Safari gehen. Vor allem weil der ugandische Mietwagen für nur 5 Dollar in den Park darf. Der Queen Elizabeth ist berühmt für seine Löwen, die auf Bäumen liegen. Das tun die Katzen angeblich nur hier. Wobei wir auch in der Serengeti ein Löwenjunges im Baum erwischt haben. Und außerdem überlegt haben, dass es im südlichen Afrika gar nicht so viele Parks mit Bäumen gibt, die stark genug wären, einen Löwen zu tragen. Nun denn…

Von der vielen Autofahrerei kann man sich nun im Rwenzori Gebirge die Beine vertreten. Wobei die Wanderungen eher für Fortgeschrittene sind. Alternativ kann man für 150 US-Dollar im Kibale Forest Schimpansen suchen. Noch weiter im Norden lockt der Murchinson Nationalpark, deren Tierbestände sich nach heftiger Wilderei in den 70ern und 80ern allmählich erholen.

Auf dem Weg zurück nach Kampala werden zu guter Letzt noch Nashörner im Ziwa Rhino Sanctuary besucht. Für 40 US-Dollar ist man dabei. Und fertig ist ein runder Afrikaurlaub. Wer will kann überwiegend Hauptstraßen fahren. Die sind dank fleißiger Chinesen in erstaunlich gutem Zustand und Sicherheitsprobleme gibt es nur in den Grenzgebieten zu Kongo und Kenia.

All das klingt verlockend. Wer aber mit dem eigenen Auto reist, muss für jeden Park 150 US-Dollar nur für das Auto berappen. Unser Geldbeutel musste sich noch von der Serengeti erholen. Bezahlbare Aktivitäten sind für uns ins Wasser gefallen, weil die Regenzeit dieses viel Jahr zu früh war! Gut für das trockene Uganda. Schlecht für uns. Nach 13 Regentagen in acht Monaten ging unsere Statistik in Uganda ruckzuck auf 25 hoch.

Grenzübergang Ruanda – Uganda bei Katuna

Von Kigali kommend ist man über die geteerte Hauptstraße in nicht mal zwei Stunden an der Grenze zu Uganda. Der ruandische Teil sieht rumpelig aus, geht aber erstaunlich schnell. Drüben in Uganda fängt es an zu regnen. Tiefe Pfützen durchziehen den roten Schlamm. Hier wirkt alles noch improvisierter. Und fürchterlich dreckig. In einer kleinen Holzhütte bekommen wir unseren Stempel ins Carnet. Dank Ostafrika-Visum ist die Ein- und Ausreise günstiger und schneller (Artikel dazu folgt). Die Zollbeamtin gibt uns erste Reisetipps. In weniger als einer Stunde sind wir drin.

Uganda für den schlanken Geldbeutel

Lake Bunyoni

Nur eine Stunde von Katuna entfernt, kommt man durch Kabale. Hier gibt es kleinere Einkaufsmöglichkeiten und der Ort wirkt überhaupt quirlig und erstaunlich sympathisch. Nun ist es nur noch ein Steinwurf zum Lake Bunyoni. Im gleichnamigen Resort kann man herrliche Ausblicke auf den See genießen oder Böötchen fahren. Nur in der ersten Nacht waren mehrere Overlanderbusse da. Anschließend war es wunderbar ruhig. Schweren Herzens haben wir uns gegen einen Besuch der Berggorillas entschieden. 600 US-Dollar sind doch eine ganze Menge. Im Grunde war das gut so, waren wir doch beide erkältet. Wer Schnupfen hat, darf nicht zu den Gorillas, aber Geld zurück ist natürlich trotzdem nicht.

Fort Portal

Weiter geht es Richtung Norden. Auf dem Weg nach Fort Portal kommt man kostenlos auf einer Transitstrecke durch den Queen Elizabeth Park und bekommt einen kleinen Eindruck. Wir haben Elefanten, Büffel und Antilopen erspäht.

Kurz nach dem Park überqueren wir den Äquator. Der starke Regen fordert seinen Tribut. Ein Straßenabschnitt ist weggespült. Die Polizei regelt den Verkehr. Oder versucht es zumindest.

Etwa 30 km südlich von Fort Portal beziehen wir Quartier in Kluge’s Guestfarm, die in deutsch-ugandischer Hand ist. Das Essen ist sensationell. Ein Crossover aus afrikanisch, indisch und deutscher Küche. Nachdem wir nun schon über acht Monate unterwegs sind, genießen wir Rindsrouladen mit Rotkohl. Das Wetter war passend dazu kalt und regnerisch. Darum wurde nichts aus den Wanderungen durch Rwenzori oder Kibale. Wobei unser Trainingsstatus nach der vielen Autofahrerei ohnehin grauenhaft schlecht ist. Immerhin kann man bei Kluges ein klein bisschen durch den Wald auf dem Gelände stapfen und Schwarz-weiße Stummelaffen beobachten.

Lohnenswert ist ein Ausflug zu den nahegelegenen Crater Lakes. Eine Ansammlung von Kraterseen entlang denen sich kleine Dörfer reihen. Eine schöne Rundfahrt über die Dörfer zu den Seen haben wir auf Google Maps nachgemalt. Bei Sonnenschein kann man vom „Top of the World“ Viewpoint wunderbare Ausblicke genießen. Nicht weit davon führt eine kostenlose Transitstrecke durch den Kibale Forest Nationalpark. Wenn man sich Mühe gibt, kann man von der Straße aus Affen in den Bäumen erspähen. Schimpansen haben wir leider nicht entdeckt.

Kampala

Wir sind im Red Chilis Camp am Stadtrand abgestiegen. Trotzdem diese Anlage groß und von Overlandern frequentiert ist, hat es uns erstaunlich gut gefallen. Es war erfreulich ruhig, wir standen hübsch und allein auf einer Wiese und die Pizza war auch nicht übel. Am Abend haben wir uns mit Freunden in der Stadt getroffen und erlebt, wie quirlig es hier nach Einbruch der Dunkelheit zugeht.

Außerdem hat Kampala die besten Einkaufsmöglichkeiten seit Malawi. In Garden City und Lugogo Mall, kann man sich mal wieder richtig bevorraten, im Buchladen stöbern und guten Kaffee trinken. Gekommen sind wir praktisch ohne Erwartungen und sind ordentlich positiv überrascht worden.

Der Stadtverkehr ist nur mit viel Humor zu ertragen. Fühlt sich ein bisschen an wie Autoscooter fahren. Wobei die anderen Verkehrsteilnehmer alle sehr rücksichtsvoll waren. Wichtig: Hupen ist nicht aggressiv gemeint, sondern essentielles „Hallo, hier bin ich, fahr mich nicht um“ Signal.

Jinja

Als letzten Stop vor der Grenze zu Kenia haben wir Jinja gewählt. Hier kann man vom Camp „The Haven“ wunderbare Ausblicke auf den Nil genießen. Wer sich traut, kann sich zum Wildwasser raften anmelden. Wir haben uns aufs zuschauen beschränkt. Ging wunderbar von der Bar aus. Und hat nur zwei Bier gekostet.

Unsere Route durch Uganda in der Übersicht

Nicht ganz optimal für Selbstfahrer, aber trotzdem eine zuverlässige Quelle ist der Reiseführer Uganda - Ruanda aus dem Reise Know-How Verlag. Trotz GPS haben wir immer auch eine Papierkarte dabei. Die Karten aus dem Reise Know-Verlag sind reiß- und wasserfest und haben einen guten Maßstab für den Überblick.

Unser Fazit

Wenn Geld keine Rolle spielt, können wir uns Uganda gut als Urlaubsland vorstellen. Geeignet auch für einen ersten Eindruck von Afrika, weil leicht zu bereisen und relativ sicher. Unser Favorit wird Uganda trotzdem nicht. Die Leute sind freundlich, aber sehr reserviert. Die Landschaft hat sich auf unserer Route durch Uganda nur wenig geändert und die Stimmung war irgendwie bedrückend. Ob unser Herz noch von Ruanda schwer war oder es am Regen lag? Schwer zu sagen.

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