Western Cape – Zwischen Weinbergen und Wüste

Western Cape – Zwischen Weinbergen und Wüste

Das Western Cape ist vielfältig und abwechslungsreich – nach vier Wochen gäbe es immer noch so viel zu entdecken. Hunderte Weingüter laden zum Probieren und Schlemmen ein, an der Küste und der berühmten Garden Route steppt das ganze Jahr der Bär und in der Karoo, im kargen Hinterland findet man Ruhe, Weite und wir vielleicht sogar eine zweite Heimat.

Nach zehn Tagen Kapstadt war es Zeit, Abschied zu nehmen und unser Abenteuer zu beginnen. Auf unserem Plan stehen die Weingegend und die kleine Karoo ganz oben. Eine feste Route haben wir uns immer noch nicht zurecht gelegt, sondern wollen die Freiheit genießen, länger zu verweilen, wo es uns gefällt.

So bleiben wir fast zwei Wochen in der Kleinen Karoo und verlieren unser Herz an diese karge, liebenswerte Gegend. Besonders an Calitzdorp, in dem wir über eine Woche bleiben und sogar schon den Immobilienmarkt studieren.

Entlang der berühmten Garden Route hält uns dann erstaunlicherweise kaum etwas. Nach der Wüste genießen wir die üppigen Wälder der Gegend, die Flüsse, Schluchten und Berge, die uns an zu Hause erinnern. Aber der Trubel und die Preise treiben uns weiter.

Winelands

Weinliebhaber und Leckermäuler finden im Western Cape das Paradies. In Kapstadt, der Gegend um Stellenbosch, Paarl, Franschoek und selbst in der Karoo gibt es hunderte von Weinbauern, die entdeckt und probiert werden wollen. Constantia liegt in Kapstadt, kurz hinter den Kirstenbosch Gärten, am Fuße des Tafelberg Nationalparks. Groot Constantia ist hübsch zum Bummeln. Im alten Herrenhaus ist eine interessante Ausstellung über die Geschichte des Weinbaus in Südafrika. Klein Constantia ist berühmt für seine Weißweine. Vin de Constantia ist der Stolz des Hauses und das mit Recht. Es soll der letzte Tropfen Napoleons gewesen sein. Und Jane Austen sprach dem Dessertwein die Fähigkeit zu, gebrochene Herzen heilen zu können. In Buitenverwachting lässt sich der Tag beim Lunch oder Nachmittagssnack in ländlicher Idylle beenden.

Wie lange es wohl dauern mag, sämtliche Weingüter Stellenbosch zu erkunden? In den wenigen Tagen haben wir nur einen winzigen Einblick, dafür aber ein neues Hobby gewinnen können. Ein Besuch beim Weinbauern ist nicht nur kulinarisch, sondern auch architektonisch interessant. Vom Cape Dutch Baustil in Neetlingshof bis hin zu moderner Bauweise bei Delaire Graff. In Fort Simon wurde gleich eine Festung um den Weinkeller gebaut.

In Delheim machen wir unser erste Verkostung. Der Pinotage Rosé ist ein Traum, der Chardonnay Sur Lie ein Gedicht und im preisgekrönte Vera Cruz Shiraz könnten wir baden. Besonders zu empfehlen ist auch ein Besuch bei Muratie, einem der ältesten Weingüter. Der Probierkeller ist zugewuchert mit Spinnweben. Auf dem Hof werden zeitgenössische südafrikanische Künstler ausgestellt. Trifft man den Besitzer erfährt man bei einem kurzen Plausch interessante Anekdoten zur Geschichte Muraties.

Ein toller Tipp von Duncan von African Overlanders war es, die Bottelary Road genauer zu erkunden. Hier gab es früher keine Weinberge, sondern nur Abfüllanlagen. Mittlerweile haben sich hier aber etliche Weinbauern etabliert, die immer noch etwas abseits des touristischen Hauptstroms liegen. Mooisplaas lädt zum Wandern ein. Der Probierraum ist besonders urig gestaltet. Bei Kaapzicht geht es etwas ländlicher zu. Dafür darf nach Herzenslust alles probiert werden. Hier wird übrigens Südafrikas einziger Eiswein hergestellt. Auf meine Frage, wir ihnen das gelingt, erfahre ich das Geheimnis: „Wir frieren die Trauben ein.“

Weinverkostungen sind mit 50 Rand, also 3 bis 4 Euro, sehr günstig. Meist werden sechs Weine gereicht, auf manchen Gütern darf man auch probieren was und soviel man möchte. Wer Wein kauft, darf in der Regel umsonst kosten. Und der schwächelnde südafrikanische Rand lädt zum Shoppen ein. Doch leider ist der Weinkeller in unserem Landy nicht besonders groß… Wer auch mal probieren möchte, hier noch ein Tipp: Viele Weingüter vertreiben ihre Produkte über Capreo, einem Online-Weinhändler, der auch nach Europa liefert.

Cape Agulhas und De Hoop

Nach der Weingegend wollen wir wieder zurück ans Meer. Wir ziehen die malerische Küstenstraße R44 der eintönigen N2 vor und schlängen uns gemütlich an den südlichsten Punkt Afrikas, dem Ort an dem der indische Ozean auf den Atlantik trifft. So lange haben wir auf diesen Moment hingefiebert, dass die Realität leider wenig mit unserem Traum gemein hat. Agulhas und Umgebung ist kaum mehr als eine überdimensionierte Feriensiedlung. „If you don’t expect much, it is quite nice.“ In Struisbaai gibt es zumindest noch guten Fisch und ein lustiges Hostel. Das Cape Agulhas Backpackers können wir nur jedem ans Herz legen, der in dieser Gegend eine Nacht verbringen möchte. Chillige Surferatmosphäre und ein phantastischen Frühstück. An Camping ist hier nicht zu denken: voll, eng und es zieht wie Hechtsuppe.

Auf dem Weg in die kleine Karoo statten wir dem De Hopp Nature Reserve einen kurzen Besuch ab. Endlose weiße Sanddünen vor türkisblauer Kulisse. Und auf dem Weg dahin: Buntböcke, Zebras, Strauße, Kuhantilopen, Flamingos.

Route 62 – die Kleine Karoo

Weiter geht es über kleine Landstraßen entlang riesiger Farmen. Bei Malgas setzen wir mit einer handbetriebenen Pontonfähre über den Fluss, um dann noch eine Stunde durch Weideland zu schottern. Über den tannenbewachsenen Tradouw-Pass erreichen wir die Kleine Karoo.

Von der Passstraße biegen wir auf die legendäre Route 62. Die kleinen Städtchen Barrydale und Calitzdorp haben es uns besonders angetan. Barrydale ist wahrscheinlich auf der Route 62 die Stadt mit der höchsten Hipsterquote: coole Diner und Vintage Cafés. Calitzdorp und Prince Albert sind Künstlerstädte, das Murnau Südafrikas. Die vielen kleinen Geschäfte, Gallerien und Restaurant sind alle mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Das Essen mit Leidenschaft zubereitet, angefangen von raffinierten Milkshakes im »Diesel & Créme«, einheimische Lammgerichte im »Handelshuis« und richtigem Vollkornbrot im »Lazy Lizard«.

Die Weihnachtsfeiertage verbringen wir in den heißen Quellen des Warmwaterberg Spa. Wir trocknen uns nur ab, um Barrydale zu erkunden und eine Kaffeepause im legendären Pub „Ronnies Sex Shop“ einzulegen. Ronnies Freunde haben sich einen Scherz mit ihm erlaubt und eines nachts die drei Buchstaben neben Ronnies Shop gepinselt. Nach vielen Jahren ist die Kneipe mit dem schrulligen Besitzer ein Touristenmagnet an der Route 62. Viele kommen nur, um die zahlreichen Büstenhalter, die die Wände zieren und das Namensschild zu fotografieren. Wir bestellen einen Kaffee und erregen damit Ronnies Aufmerksamkeit. Zwei Stunden philosophierten wir mit ihm über das Leben, Spaß, Regeln, Alkohol am Steuer (ein südafrikanischer Nationalsport) die Liebe, und… Dreimal dürft ihr raten.
In Calitzdorp quartieren uns in der Calitzdorp Station ein. Der Campingplatz war früher mal der Bahnhof der Stadt. Im ehemaligen Ticket Office kann man schlafen. Die alten Handwägen auf den Schienen, sind auch noch im Betrieb. Im Gebäude gegenüber betreiben Cheryl und Mike ein kleines Pub. Die Atmosphäre ist so gemütlich und familiär, dass wir über eine Woche hier bleiben.
Die kleine Stadt ist das perfekte Basislager, um die Gegend zu erkunden. Künstlerspaziergang, Winetasting bei De Krans und Boplaas, die sich beide auf Portwein spezialisiert haben. Ausflüge ins Groenfontein Valley oder über den Swartberg Pass nach Prince Albert. Und die Herzen eines jeden Offroaders schlagen höher, wenn es über den Elandspass in „Die Hel“ geht. Ein verstecktes kleines Tal, in dem sich im 19 Jahrhundert eine Handvoll Farmer angesiedelt haben. Die Gegend wird deshalb die Hölle genannt, weil die Anreise so beschwerlich ist. Für uns und unsere Elise natürlich ein Traum.

Garden Route

Vielleicht vorweg: Von Mitte Dezember bis Mitte Januar sind Sommerferien in Südafrika. Entlang der Garden Route ist es voll, laut und ausgebucht. Und die wenigen Stellplätze, die noch zu haben sind, sind locker doppelt so teuer wie in der Nebensaison. Aber das stresst uns nicht, denn irgendwie ist dieser berühmte und beliebte Landstrich Südafrikas nicht der unsere. Die Lagune von Knysna, die dichten, üppigen Wälder des Tsitsikamma Naturpark – alles hübsch. Aber irgendwie rummelig: Snake Land, Monkey Land, Zipline hier, Abseilung dort… wir vermissen die Stille und Weite der Karoo. Nach drei Tagen brettern wir an Port Elizabeth vorbei, sortieren uns in Grahamstown und widmen uns nun dem Eastern Cape.

Western Cape – Unsere Route in der Übersicht

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Für den nächsten Besuch

Noch mehr Karoo! Sterne gucken in Sutherland. Nächster Halt: Hogsback und dann geht es ab an die Wild Coast.

Alle Reiseberichte von unserem Afrika Roadtrip findet ihr hier.

9 Comments

  1. Also irgendwie verläuft euer Afrikatrip ganz anders, als ich mir das vorgestellt hätte. Das ist ja eine kulinarische Schlemmerreise in schöner Landschaft und kein, „Hilfe die Steckachse ist gebrochen und wir sind von Hyänen umzingelt“. Ich glaub ich muss den Kasten auch mal verschiffen… :-)
    Viel Spaß weiterhin!

    • Keine Angst, dass kommt schon noch 😋 Immerhin waren wir schon in „Die Hel“ und zurück. Am Video bastel ich gerade. Aber mit dem Kasten würdest Du in Südafrika super klar kommen. Wo sollen wir Dich einsammeln?

  2. Herrlich! Ich habe meinen Reiseführer in die Ecke gelegt und genieße eure Fotos und Berichte. Ich werde mir wohl noch einen Anhänger für den vielen Wein zulegen müssen. Weiterhin gute Reise 🚙

    • Danke schön, wird Zeit, dass ihr auch endlich kommt! In Elise kriegen wir gerade 6 Flaschen unter. Lustig, dass Du es sagst, nach einem kleinen Hänger gucke ich gerade :-)

  3. Tipp: Einfach mehr Wein trinken, dann kommt der „kleine Hänger“ von alleine ;-)

  4. Sammi Heineking

    Als „Südafrikaner“ kenne ich die von euch befahrene Strecke natürlich sehr gut – ich habe Sie aber noch nie in so schönen Farben erlebt, wie mit euren Bildern und so anregend beschrieben.

    Baviaanskloof fehlt noch auf eurer Strecke. Habt mal den Mut „offroad“ zu fahren und eure Reifen zu testen, damit ihr mit einem selbstbewussteren Gefühl gen Norden fahren könnt.

    Lieben Gruß Sammi

    • Lieber Sammi, vielen Dank, es freut uns, dass wir Dich als Südafrikaner begeistern können. Baviaanskloof steht auf der Liste, muss aber warten. Wir haben Ende Februar eine „Verabredung“ in Simbabwe, kringeln also nun erstmal durch Namibia 🇳🇦 😍. Lieben Gruß, Steffi

  5. Oh ja, ich bin auch begeistert von euren Fotos ;) Durch die Wellen des Boots macht vor allem der Storms River Mouth besonders viel her. Echt ein schönes Postkartenmotiv.

    Genießt eure Zeit bzw. die Erinnerungen!

  6. Pingback: Eastern Cape - zwischen Feenwald und verrückten Künstlern - Giraffe 13

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