Happy Hour am Wasserloch

Aktualisiert am 7. Januar 2016 um 06:22

Giraffen wurden während unserer Namibia-Reise zu meinen Lieblingstieren. Klamm heimlich haben sie sich mit ihrem anmutig gleitendem Schreiten und ihrer Schreckhaftigkeit in mein Herz geschlichen. Am Wasserloch in Okaukuejo habe ich sie zum ersten Mal in freier Wildbahn beobachtet.

Zaghaft, übervorsichtig, nach links blickend, nach rechts blickend, wieder einen Schritt in Richtung Wasser – stundenlang zog sich diese Prozedur hin. Beim leisesten Knacken im Gestrüpp verharrten die jungen Tiere starr, mit angespannt gerecktem Hals eine kleine Ewigkeit bevor sie den nächsten Versuch starteten, sich ans Wasserloch heranzupirschen. Für Giraffen ist trinken der gefährlichste Moment. Einmal zum Trinken den langen Hals gebeugt, sind sie leichte Beute für Löwen. Sie können den Kopf nicht hochreißen und flüchten. Es wird ihnen schwindelig, wenn ihr Blut wieder den langen Hals zurückrauscht. Wie ein schwerer Kran müssen sie sich ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter wieder aufrichten.

Am übernächsten Tag waren wir mit einem Safari-Guide auf der verzweifelten Suche nach einem Löwenrudel – Touri-Pflichtprogramm. Wir hatten uns dazu den heißsten Nachmittag der Woche ausgesucht und sollten erfolglos ins Camp zurückkehren. In Klein Namutoni jedoch bot sich uns zur blauen Stunde ein viel beeindruckenderes Schauspiel. Ringsum aus dem Unterholz pilgerte Giraffe auf Giraffe – 30, 40, 50 Tiere – zum Wasserloch. Erst sah man nur die Hörner zwischen den Baumwipfeln bevor sie gemächlich ins Freie glitten. Schade, dass der Touridruck nach Löwen unseren Guide zu Weiterfahrt hetzte. Ich hätte dem Schauspiel gern länger beigewohnt, es war einer meiner ergreifendsten Namibia-Momente.

Vor ein paar Monaten, noch im Winter, waren wir im Zoo, um meine erstandene 40D auszuführen – und es brach mir das Herz. Drei Giraffen auf zehn Quadratmetern, die durch eine sternförmige Gitter- und Türenkonstruktion weiter eingeengt wurden. Mehr als ein, zwei Schritte in die eine oder andere Richtung waren nicht möglich, ohne dass sie sich gegenseitig auf den Füßen standen. Freilebende Giraffen legen am Tag eine Strecke von etwa 20 Kilometern zurück. Sie sind schnelle Läufer und erreichen Geschwindigkeiten zwischen 30 bis 50 km/h. Fassungslos stand ich vor ihnen und mir war zum Heulen zu Mute.

Danke nochmal an Andreas Levers fr die Vintage-Aktion: Andreas Levers / CC BY-SA 3.0

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