Roadtrip durch den Bayerischen Wald

Unberührte Natur – Roadtrip durch den Bayerischen Wald

Aktualisiert am 14. Januar 2019

Was wollt ihr denn im Bayerischen Wald?“. Die Antwort ist simpel: Ruhe und Einsamkeit in der Natur genießen. Während sich die anderen Urlauber langsam über die Alpen schieben, führt unsere Reise nach Westen Richtung Tschechien. Wir nehmen Euch mit auf unseren Roadtrip durch den Bayerischen Wald.

Zusammen mit dem angrenzenden Böhmerwald ist der Bayerische Wald der größte zusammenhängende Wald Europas und der letzte Urwald. Natur pur also. In den Städten vermischt sich Tradition mit Moderne – Urbayer trifft Stadt-Hipster. Zu Erleben gibt es hier allerhand und wir nehmen Euch mit auf einen Roadtrip zu unseren ganz persönlichen Highlights.

Die Rundreise beginnt in Deggendorf und führt über Viechtach nach Bad Kötzting, weiter zum Wandern Richtung tschechische Grenze, über Teile der Glasstraße von Bodenmais nach Zwiesel bis zur süd-westlichsten Spitze des bayerischen Walds nach Neuschönau und zurück.

Im „Woid“ – zwischen Abenteuer und Tradition

Als bester Übernachtungsplatz und Ausgangspunkt in den Bayerischen Wald empfehlen wir das „Adventurecamp Schnitzmühle“ bei Viechtach direkt am Schwarzen Regen. Wegen des traumhaften Bergpanoramas, durch das sich leise plätschernd der dunkle Fluss schlängelt, ist die Gegend als Bayerisch Kanada bekannt. Die unbedingt mit dem Kanu erkundet werden sollte.

Das gemütliche Hotel lockt mit Spa-Bereich und einem sensationellen Restaurant. Ein gelungenes Beispiel wie sich Tradition mit Neuem verbindet: die Speisekarte ist eine Kreuzung zwischen Schnitzel und Thai Food. Für weitere Abendunterhaltung sorgt Olli Zilks Kleinkunstbühne im „Alten Spital“ Viechtach mit einer bunten Konzertmischung zum „Abhängen“.

Nicht mal 15 km weiter in Bad Kötzting findet man eine ähnlich bunte Mischung. Neben der neuen Kaffee-Rösterei dem „Gscheid-Haferl“, findet man ein paar Straßen weiter die Spirituosenbrennerei Liebl, die für ihren Bärwurz weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt ist. Hervorgegangen ist dieser Familienbetrieb aus einem kleinen Lebensmittelgeschäft, das Großmutter Maria Liebl damals in der unteren Marktstraße in Kötzting betrieb.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Pferdewallfahrt die seit über 600 Jahren zu Pfingsten stattfindet – eines der ältesten bayerischen Brauchtümer überhaupt. Alljährlich beteiligen sich über 900 Reiter in ursprünglicher Tracht auf prächtig geschmückten Pferden am Pfingstritt.

Ähnlich wild geht es am Kötztinger Rosstag zu. Am letzten Sonntag im August zeigt die Zuchtgemeinschaft für Kaltblut- und Haflingerpferde wie die Bauern früher lebten und arbeiteten. Alte handbetriebene landwirtschaftliche Geräte sind zu bewundern, unter anderem Gabelwender, Mähmaschinen oder Dreschwagen. Auf zahlreichen Wagen stellen die Kötztinger alte Handwerksberufe wie Brauer, Kirmzäumer oder Holzschuhmacher vor. Spielmannzüge und Musikkapellen sorgen für den richtigen Marschschritt auf dem Weg durch die Stadt.

Auf den Spuren von Schmugglern und Räubern

Der Bayerische Wald lockt mit unzähligen Wandermöglichkeiten. Unser Favorit ist die Gegend vom Luftkurort Arrach aus in Richtung tschechische Grenze. Die Wanderung zum Bergkamm Kaitersberg führt auf felsigen Wegen an der Räuber-Heigl-Höhle vorbei. Dort hauste vor vielen Jahren der Rebell, Volksheld und Räuber Michael Heigl. Da er ähnlich wie Robin Hood vor allem reiche Bauern und Geistliche beraubte, erfreute er sich bei den Armen großer Sympathie.

Etwas weiter südlich kann man im Gebiet zwischen kleinem Osser auf deutscher Seite und großem Osser auf tschechischer Seite wahrlich mit zwei Füssen in zwei Ländern wandern. Bei guter Sicht sind die Ausblicke spektakulär und auf den einsamen Wegen trifft man nur selten andere Wanderer.

Rund um das gläserne Herz

König des Bayerischen Walds ist der Große Arber. Mit einer Höhe von 1.456 m sein höchster Berg. Wir umrunden ihn auf der Fahrt nach Bodenmais. Dort starten Wanderwege zum Arber, doch wir wollen der Glasstraße folgen Richtung Zwiesel. In dieser Kernregion der Glasherstellung im Bayerischen Wald wird seit etwa 1.400 n.Chr. Glas geblasen.

Eindrucksvoll wird diese Handwerkskunst im „Joska Glasparadies“ Bodenmais dargestellt. Auf 70.000 Quadratmetern erfahren wir alles rund ums Glas: vom Glasblasen in der Glashütte über Glaskunst für den eigenen Garten und diversen Weltrekorden.

Vor den Toren Zwiesels liegt die Kristallglasmanufaktur Theresienthal, in der immer noch meisterhaftes Glas geblasen wird. Über die Glasstraße bis nach Frauenau durchfährt man Ludwigsthal und Lindbergmühle, allesamt für die Produktion von Jugendstilglas bekannt.

Auf Safari mitten in Bayern

Nur eine halbe Stunde später erreichen wir unseren letzten Stopp. Der kleine Ort Neuschönau bietet gleich mehrere Attraktionen. Auf dem längsten Baumwipfelpfad Deutschlands wandern Naturliebhaber in 25 Metern Höhe über dem Waldboden in unberührter Natur. Lernstationen vermitteln Wissen über das Leben im Wald und für Abenteurer gibt es Erlebnisstationen mit Seil- und Wackelbrücken, Trapezen und Balancierbalken.

Praktisch um die Ecke ist das Tier-Freigelände im Nationalparkzentrum Lusen. Auf dem 200 Hektar großen Areal wurden weitläufige Landschaftsgehege und Vogelvolieren angelegt, in denen 45 heimische Tierarten leben. Darunter Bären, Wölfe, Wildschweine, Elche, Otter und Luchse. Käuze und Uhus sind auch zu finden. Für den 7 km langen Rundweg sollte man sich 3 – 4 Std. Zeit lassen. Gemeinsam mit einem Ranger lässt sich hier die ehemalige Wildnis Deutschlands entdecken.

Die gute Nachricht: dieser Roadtrip funktioniert auch im Winter, dann tauschen wir die Wanderschuhe einfach gegen Schneeschuhe oder Ski.

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