Auto nach Afrika verschiffen – Eine Übersicht

Auto nach Afrika verschiffen – Eine Übersicht

Aktualisiert am 25. März 2018 um 06:44

Als vor einigen Jahren unser Traum entstand, ein Jahr durch Afrika zu reisen, wollten wir auf dem Landweg von München nach Kapstadt fahren. Der arabische Frühling hat die Durchreise in vielen Ländern erschwert. Also haben wir einen neuen Plan entwickelt: Wir wollen unseren Landy, die blaue Elise, mit dem Schiff nach Afrika vorausschicken und vom ursprünglichen Ende der Reise, also in Kapstadt, starten. Alternativ kommt Walvis Bay in Namibia als Startpunkt in Frage. Von hier könnten wir ohne Zeitdruck die Länder im südlichen Afrika bis Kenia hinauf bereisen. Sollten wir dann über Äthiopien auf dem Landweg zurück nach Hause kommen: prima! Und wenn es uns zu heikel ist, fahren wir einfach wieder zurück nach Kapstadt.

Wie man ein Auto verschifft

Prinzipiell kann man sein Auto in einem Container auf einem Frachtschiff verschiffen oder über Roll-On Roll-Off, auch RoRo genannt: Wagen aufs Schiff fahren und am Zielhafen wieder runter – quasi wie eine lange Fähre. Mal mit, mal ohne eigene Überfahrt, das ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Praktische Erfahrung dazu teilen Michaela und Tobias auf ihrem Panamericana-Blog.

Sehr detaillierte Informationen zur Sprache der Hafenagenten, was man alles beachten muss, wenn man Verschiffungen auf eigene Faust organisiert und welche Schiffsrouten es weltweit gibt, bietet das Overlander’s Handbook von Chris Scott.

Auch wenn RoRo günstiger ist als ein Container, überwiegen für uns die Nachteile. Das Auto muss nach unseren Informationen ziemlich leer sein. Keine persönlichen Dinge sollen sich im Auto befinden. Uns ist schleierhaft wie wir unsere ganze Ausrüstung nach Afrika bekommen sollen. Außerdem stünde der Landy offen auf dem Schiff, so dass theoretisch jeder ran kommt.

Hier findet Ihr eine ausführliche Liste, welche Ausrüstung wir für unseren langen Roadtrip durch Afrika in unseren Landy gepackt haben.

Deshalb kommen Speditionen, die ausschließlich RoRo verschiffen, wie beispielsweise Seabridge-Tours, für uns nicht in Frage. Hansen Shipping wiederum steuert nur Häfen in Westafrika an und DB Schenker organisiert keine private Verschiffungen mehr, sondern nur Transporte im großen Stil. Africar und Transhanseatic Spedition haben unsere Anfragen leider nicht beantwortet, so dass nach ausgiebiger Recherche drei Optionen übrig bleiben, die alle etwa 30 Tage für den Transport eines Autos nach Afrika benötigen. Voraussetzung für alle, ist ein gültiges Carnet de Passage, ein Grenzdokument für Euer Auto, dass Ihr beim ADAC bekommt.

Andreas Ebert Spedition

  • Mögliche Zielhäfen sind Kapstadt und Walvis Bay
  • Verschiffung im 20′ Container
  • Versicherung gegen Totalverlust für 0,95 % vom Warenwert und für 1,25 % all risc Versicherung

Kosten

  • Transport nach Kapstadt komplett: 3.057,59 €
  • Transport nach Walvis Bay komplett: 3.027,96 €

Pro

Viele positive Rückmeldungen von anderen Reisenden. Sehr zuverlässig und hilfsbereit. Antwortet sehr schnell auf jede noch so kleine Frage.

Contra

Am teuersten.

African Overlanders

Duncan und Elli leben in der Nähe von Kapstadt, betreiben dort einen kleinen Campingplatz. Sie kümmern sich um viele kleine und große Probleme, die auf einer Reise auftreten können. Zum Beispiel vermitteln sie Kfz-Mechaniker und organisieren Verschiffungen:

  • Zielhafen ausschließlich Kapstadt
  • Verschiffung nach Möglichkeit im 40′ Container, da günstiger (einen passenden Container-Buddy organisiert Duncan)
  • Versicherung gegen Beschädigung oder Totalverlust möglich, aber der Preis muss mit dem »Hafenagenten« ausgehandelt werden
  • African Overlanders bietet auch die Möglichkeit, Wagen und andere Habseeligkeiten bei ihm unterzustellen

Kosten

Transport nach Kapstadt komplett: 2.600 €

Pro

Duncan scheint ein hilfreicher Kontakt für die weitere Reise.

Contra

Duncan lebt in Südafrika und ein persönliches Kennenlernen ist nicht möglich. Um die Abwicklung am deutschen Hafen müsste man sich weitgehend selbst kümmern. Bekannte von uns haben erst kürzlich die Erfahrung gemacht, dass der versprochene Container-Buddy für einen 40′-Container in letzter Minute absprang und African Overlanders damit den Deal platzen ließ.

Die Reisetasche, die wir ihm zur Aufbewahrung anvertraut hatten, ist leider von einem seinem Mitarbeiter gestohlen worden. Das haben wir erst auf Nachfrage erfahren und nichtmal eine Entschuldigung gehört. Wer schon auf Taschen nicht aufpasst, dem möchte ich mein Auto erst recht nicht anvertrauen.

GTG Seefracht

  • Mögliche Zielhäfen sind Kapstadt und Walvis Bay
  • Verschiffung im 20′ Container
  • Speditionsversicherung und für 1 % vom Warenwert Zusatzversicherung

Kosten

  • Transport nach Kapstadt: 1.932 €
  • Transport nach Walvis Bay: 2.860 €
  • (Gebühren in afrikanischen Häfen kommen hinzu)

Pro

Günstig, rasche und ausführliche Antworten per Mail.

Contra

Keine Angaben zu Hafengebühren.

Und wie verschifft Ihr nun Eure Elise?

Obwohl wir zunächst zu African Overlanders tendiert hatten, haben wir uns für Herrn Ebert entschieden. Wir brauchten uns im Grunde nur noch darum kümmern, Elise pünktlich am 3.11.2016 nach Hamburg zu bringen. Um alles weitere, Hafengebühren, Verladung, Kontakt in Kapstadt, Zolleinfuhr am Hafen, kümmerte sich die Spedition Ebert.

Unser Fazit

Wir sind absolut zufrieden mit dem professionellen Service der Spedition Ebert und können sie guten Gewissens weiterempfehlen. HALT! Hört jetzt nicht auf zu lesen, denn unsere Meinung hat sich leider geändert: Da wir so zufrieden mit der Verschiffung von Hamburg nach Kapstadt waren, haben wir auch den Rückweg mit der Spedition Ebert geplant. Und diesmal lief leider alles schief, was schief gehen konnte…

Verschiffung von Kapstadt nach München

Im August gab es große Schwierigkeiten bei der Einreise nach Äthiopien: das Carnet de Passage wurde plötzlich nicht mehr anerkannt und man hätte eine “Kaution” über den Wagenwert hinterlegen müssen. Verlässt man das Land über eine andere Grenze bekommt man das Geld natürlich nicht zurück. Also haben wir uns schweren Herzens entschieden umzudrehen und unsere Elise erneut von Kapstadt zu verschiffen. Am 23. November 2017 haben wir unseren Landy beim Agenten abgegeben. Erst am 21. Februar 2018 waren wir endlich wieder vereint.

Was war passiert?

Aufgrund schwerer Winterstürme vor der südafrikanischen Küste, konnten die Schiffe nicht in den Hafen einfahren, so dass die “Bright Sky” überhaupt erst Mitte Januar in Kapstadt ausgelaufen ist. Prinzipiell kein Problem, nur wäre schön gewesen, man hätte uns ab uns zu auf dem Laufenden gehalten. So habe ich also nachdem das Schiff abgelegt hatte, noch ein letztes Mal beim Agenten in Kapstadt angerufen, um zu fragen, ob unser Wagen an Bord ist. Dummerweise war seine Antwort “Das wisse er im Moment auch nicht so genau”. Dadurch waren wir doch ordentlich verunsichert und ich habe die nächsten vier Wochen versucht, von der Spedition Ebert die “Seabill” zu bekommen – eine Art Quittung, die bestätigt, dass das Auto verladen ist. Ein Ding der Unmöglichkeit. Wieder und wieder habe ich nachgefragt. Ohne Erfolg. Erst hinterher stellte sich heraus, dass wir wohl nicht erfahren sollten, dass Elise im 40 ft Container gelandet war, wir aber für einen 20 ft Container bezahlt hatten. Nur weil ich zuletzt mit einem Anwalt gedroht habe, wurde uns der Differenzbetrag erstattet.

Schließlich und endlich war Elise durch den Zoll und wir konnten sie in Hamburg abholen. Am kältesten Wochenende des Jahres. Leider hatte der Agent in Kapstadt nicht – wie besprochen – unseren fast vollen Dieseltank abgelassen und die Spedition Ebert wiederum unser Auto bereits eine halbe Stunde über den Hof gefahren, um den Motor aufzuwärmen. Eine schlechte Idee. Der afrikanische Diesel flockte bei -10 Grad aus und am Ende ging gar nichts mehr. Der ADAC brachte unsere Elise nach München. Die Reparatur hat schlappe 600 EUR gekostet. Für einen Schaden so überflüssig wie ein Kropf. Wir hätten nur so schnell wie möglich Diesel mit Frostschutz tanken müssen. Von einer Spedition, die seit Jahrzehnten Autos aus Namibia importiert, erwarte ich, dass sie so etwas weiß. Auf den Reparaturkosten bleiben wir wohl trotzdem sitzen.

IVSSUK.com als Alternative?

Wir sind zwar im Moment weit entfernt davon, unseren Landy jemals wieder zu verschiffen. Aber wenn wir uns von Schrecken und Kosten erholt haben, wäre IVSS eine Alternative für uns. Bereits in Afrika hatten wir mit Martin von IVSS Kontakt. Die Antworten per Mail waren stets zeitnah und kompetent. Die Verschiffung ist sowohl RORO als auch im Container möglich und relativ günstig. Die Be- und Entladung muss man selbst übernehmen. Aber mehr Ärger als mit den Agenten von Herrn Ebert, kann das auch nicht geben. Habt Ihr Erfahrung mit IVSS? Dann schreibt uns.

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10 Comments

  1. Sehr gut recherchiert, ansprechend formuliert und praktisch verlinkt. Ich denke wir werden dann auch von Ebert verschiffen lassen, scheint am einfachsten zu sein. Hinreise Walvis Bay, Rückreise ggfs. Kapstadt.
    Würde mich sehr freuen euch dort dann wiederzusehen.
    Liebe Grüße Roland

    • Klingt nach einem prima Plan. Wir freuen uns auch sehr, wenn wir uns unter der afrikanischen Sonne wiedersehen. Und dann bin ich sehr gespannt, wie der Australien-Afrika-Vergleich ausgeht :-)
      Lieben Gruß, Steffi

  2. RoRo – so unsere Erfahrung – ist genau das Gegenteil von dem, was Ihr oben beschrieben habt, zumindest wenn man selbst mit an Bord ist. Das hat sich aber auch für uns erst hinterher herausgestellt!

    Bei RoRo mit Fahrer an Bord ist das Auto immer abgeschlossen, steht sicher und gut verstaut unter Deck und außer Euch kommt niemand ran. Und auch die Autos, die mit uns (aber ohne Fahrer) auf dem Schiff waren, waren immer absolut sicher: im Hamburger Hafen, auf See und auch im Zielhafen Montevideo. Wir haben inzwischen mit vielen, vielen Reisenden gesprochen, die verschifft haben. Zumindest nach Südamerika gehören die ganzen Horror-Stories über aufgebrochene Autos und geklaute Inhalte der Vergangenheit an.
    Das gilt übrigens auch für den Inhalt des Autos. Ich glaube, dass das nur eine Masche ist, um hinterher im Fall der Fälle sagen zu können: “aber wir haben doch gesagt, dass das Auto leer sein muss”. Niemand prüft, was drin ist! Eine (temporäre) Trennung zwischen Fahrerkabine und Laderaum oder eine extra verschließbare Staubox sollten helfen.
    Viele Grüße, Tobias

  3. Pingback: Die Packliste für deinen nächsten Roadtrip im Campervan

  4. Wir haben unser Landrover von Hamburg nach Gambia verschifft. Und haben von dort aus unsere Tour durch West Afrika begonnen. Hat einwandfrei geklappt. Haben mit link-trading.de verschifft.
    Lg
    Rico

  5. war kein wohnmobil. Nur ein Landrover

  6. Danke für die Zusammenfassung !

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