Papierkram - Dokumente und Versicherung

Carnet de Passage, Kfz-Versicherung, Krankenversicherung

Der bürokratische Aufwand für unsere Auszeit in Afrika 2017 war nicht unerheblich, wobei wir damals noch typisch deutsch alles sehr genau genommen haben. Nun sind wir seit 2019 zurück auf unserem Lieblingskontinent – diesmal in Etappen – und stellen fest, dass wir Vieles deutlich gelassener nehmen. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die wichtig sind wie Carnet de Passage, Auto- und Krankenversicherung. Was es dabei zu beachten gibt, erzählen wir Dir hier.

Mysterium: Carnet de Passage

Viele Länder im südlichen Afrika und in Ostafrika verlangen bei Einreise mit dem eigenen Auto ein Carnet de Passage. Ausnahmen sind Äthiopien, Ruanda, Sambia, Simbabwe und Mosambik. In Ägypten wiederum ist die zu hinterlegende Kaution beim ADAC doppelt so hoch. Das Carnet ist ein Zolldokument und eine Garantie für die Länder, dass sie beim ADAC Zollgebühren einfordern können, falls wir heimlich versuchen sollten, unser Auto vor Ort zu verkaufen. Auch die Ausstellung erfolgt durch den ADAC, wo man für den geschilderten Fall eine Kaution hinterlegen muss. Die erforderlichen Antragsunterlagen findet ihr hier.

Trotz dieser guten Übersicht, haben wir Vieles nicht auf Anhieb verstanden: Insgesamt gibt es drei Kategorien, wobei die erste Kategorie (Ägypten, Indien, Iran, Pakistan, Sri Lanka), die höchste Kaution erfordert. Dafür sind dann aber auch die beiden anderen Kategorien (südafrikanische Zollunion und sonstige Reisziele) enthalten. Wir dachten zunächst, dass die Kautionen sich addieren, was unsere Reisekasse extrem strapaziert hätte. Denn gleichzeitig haben wir herausgefunden, dass keine unserer Banken (Sparkasse, DiBa, Targobank) eine Bürgschaft übernimmt.

Die Kautionshöhe richtet sich nach dem Wagenwert, wobei hier der Zeitwert und nicht der Wiederbeschaffungswert gemeint ist. Wieviel das Auto noch wert ist, kann man als ADAC Mitglied auf der Homepage berechnen. Teure Um- und Ausbauten sollten natürlich mit berücksichtigt werden. Man kann das Carnet maximal vier Wochen vor dem gewünschten Termin beantragen. Es gilt zunächst für ein Jahr, kann aber jederzeit verlängert werden. Sollten am Ende nur noch ein paar Wochen bis zur Abreise fehlen, kann man mit dem ADAC Kontakt aufnehmen, der über den südafrikanischen Automobilclub eine Verlängerung für zwei oder drei Monate organisiert. 2016 gab es noch die Möglichkeit, persönlich beim ADAC vorbeizugehen, was sie aber mittlerweile abgeschafft haben. Es kamen offensichtlich zu viele Reisende vorbei. Uns half es damals, letzte Unklarheiten zu beseitigen.

Erst nach persönlicher Erklärung haben wir wirklich verstanden, wie das Carnet zu benutzen ist: Bei Einreise wird links oben gestempelt und an der Grenze bleibt der untere Abschnitt liegen. Bei Ausreise wird dann rechts gestempelt und der Zöllner behält den mittleren Abschnitt. Für uns also wichtig, auf jeder Seite, zwei Stempel zu haben. Wird falsch gestempelt, nochmal von vorne anfangen und keine Seite ausreißen. Kommt der Wagen zurück nach Deutschland gibt es einen Abschlussstempel. Haben wir den »ist der ADAC berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Kaution zurückzuzahlen«.

Abschließend sei noch erwähnt, dass wir gewisse Schwierigkeiten hatten, die Motornummer ausfindig zu machen. Sinnigerweise steht die nämlich nicht in den Wagenpapieren. Und öffnet man die Motorhaube, findet man zunächst mal ganz schön viele Nummern. Die richtige ist die, die in den Motorblock eingefräst ist.

Nächste Hürde: Kfz-Versicherung

Nachdem erstens unser Herz und zweitens unser Erspartes in Elise stecken, wollten wir doch gerne eine Versicherung für Afrika abschließen. Klingt erstmal einfach. Ist es aber nicht. Unsere normale Haftpflicht bei der HUK versichert nur für Europa. Also habe ich mich mit TourInsure beschäftigt. Da ist man aber mit Kaskoversicherung noch dazu, schnell bei Tausenden von Euro. Die normale Versicherung hier in Deutschland läuft weiter, auch wenn man gar keinen Leistungsanspruch mehr hat. Ist also viel Geld für wenig Leistung.

Nach einiger Recherche haben wir Jahn und Partner entdeckt, die Wohnmobilversicherungen für Reisen durch Afrika und Asien vermitteln. Dazu brauchten wir zunächst vom TÜV eine Bestätigung, dass Elise nach unserem Ausbau die Kriterien für eine Wohnmobilzulassung erfüllte. Die reguläre Haftpflichtversicherung in Deutschland läuft weiter und wir haben auf Empfehlung von Jahn und Partner zur Nürnberger Versicherung gewechselt. So hatten wir dann für zusätzlich 50 % des regulären Beitrags auch Haftpflicht- und Kaskoversicherung für zehn afrikanische Länder. Die wir erfreulicherweise nicht gebraucht haben.

Mittlerweile versichern wir unsere Elise allerdings nur noch in Afrika selbst. In vielen afrikanischen Ländern ist bei Einreise die Vorlage einer Haftpflichtversicherung vorgeschrieben. Diese kann man in der Regel direkt an der jeweiligen Grenze erwerben. In einem kleinen rumpeligen Büro wird die Police von Hand ausgefüllt. Etwas offizieller und seriöser ist der Abschluss einer COMESA, einer sogenannten „Yellow Card“, die unserer grünen Versicherungskarte hier in Europa ähnelt. Darüber kann man sein Auto für Zeiträume zwischen vier Wochen und bis zu einem Jahr für alle Länder, die man bereisen will versichern lassen und hat anschließend seine Ruhe. Nach unserer Erfahrung gibt es in (fast) jeder größeren afrikanischen Stadt Versicherungsbüros, wo man eine COMESA bekommen kann.

Krankenversicherung

Elise war nun also rundum versorgt. Fehlten noch wir beide. Anbieter zur Auslandskrankenversicherung gibt es wie Sand am Meer. Nach ausführlicher Recherche haben wir uns für die Hanse Merkur entschieden, die umfassende Leistungen zu vernünftigen Preisen anbieten. Wichtig ist vor allem darauf zu achten, ob der Anbieter, nur medizinisch notwendige oder auch sinnvolle Behandlungen und Transporte übernimmt. Notwendig ist ein Rücktransport vielleicht schon nicht mehr, wenn ein Arzt vor Ort ist. Falls der aber nichts kann oder keine Ausrüstung hat, ist der Rücktransport eben doch sinnvoll. Apropos Rücktransport wähnten wir uns diesbezüglich sicher durch den ADAC Auslandskrankenschutz. Liest man hier aber das Kleingedruckte, gilt der nur für Reisen bis maximal 40 Tage.

Die Krankenversicherung zu Hause wird bei langen Auslandsaufenthalten natürlich überflüssig und kann theoretisch einfach gekündigt werden. Trotzdem habe ich mich für eine Anwartschaft entschieden, die 54 € im Monat kostet. Damit habe ich keinen Anspruch auf Leistungen aber mein Platz bleibt erhalten. Für mich ist das von Interesse, weil ich mich nach der Reise selbstständig machen möchte und ohne Anwartschaft meinen Anspruch auf Krankengeld als Selbstständige verliere. Muss aber jeder erstens für sich selber und zweitens mit seiner Versicherung klären, ob eine Anwartschaft sinnvoll ist.

Fehlt nur noch der Gang zum Arbeitsamt

Da wir immer noch nicht ausgelastet waren, haben wir uns noch beim Arbeitsamt gemeldet für insgesamt fünf Wochen vom Arbeitsende bis zur Abreise. Auch wenn das weiterer Papierkram obendrauf war, ist es trotzdem ein guter Tip gewesen. Denn so kann man direkt nach der Reise, seine Ansprüche geltend machen, ist gleich wieder sozialversichert und kann in Ruhe ins Arbeitsleben zurückfinden. Gesetzt den Fall man möchte das…

6 Kommentare

  1. Hallo,
    ich weiß gar nicht mehr wie ich auf eurenn Blog gekommen bin, ich finde euer Vorhaben aber toll und werde euren Blog lesen. Mein Freund und ich wollen bei einer Rallye teilnehmen und haben dann auch noch die ganzen Probleme mit der Versicherung etc. Aber ich habe den kleinen Vorteil, dass Versicherungen mein Thema sind, da ich mal eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau gemacht habe.
    Ich war die letzten Monate auch im Ausland und bin froh, dass ich alles problemlos mit meiner Krankenversicherung klären konnte.
    Beim Arbeitsamt hat auch alles geklappt und nun bin ich auf Jobsuche.

    Viel Spaß in Afrika

    LG Myriam

    • Hallo Myriam, auf jeden Fall freut es uns, dass Du den Weg zu uns gefunden hast, auf welche Weise auch immer :-) Rallye klingt interessant? Wo und mit welchem Auto?

      Lieben Gruß, Steffi

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