Unser Land Rover - die blaue Elise - am Strand von Tiwi Beach in Kenia

Steckbrief: Kenia für Selbstfahrer

Aktualisiert am 14. Januar 2019

Wegen der Präsidentschaftswahlen 2017 waren wir nur drei Wochen in Kenia, haben aber einen ersten Eindruck gewonnen und verraten Dir hier unsere liebsten Campingplätze, Highlights, Tops und Flops. Der Ruf Kenias ist aufgrund hoher Kriminalitätsraten ziemlich schlecht, doch wir waren restlos begeistert von Land und Leuten. 

Die beste Reisezeit – Winter oder Sommer?

Wie die meisten Länder Ostafrikas bestimmen hier zwei Regenzeiten das Wetter. Die große ist etwa zwischen März und Juni. Die kleine im November und Dezember. Die Zeiten können sich allerdings stark verschieben. In den Bergen kann es ganzjährig immer mal regnen, an der Küste windig sein.

Die schönsten Campingplätze in Kenia

  1. Lelin Overland Camp bei Iten mit wunderbaren Ausblicken ins Kerio Valley
  2. Robert’s Camp am Lake Baringo: Stellplatz direkt am See und nächtlichem Nilpferdbesuch
  3. Camp Carnelley’s am Lake Naivasha: Stellplatz großzügig unter riesigen Bäumen und gemütliches Restaurant mit den besten Nachos der Welt
  4. Kili Springs zwischen Amboseli und Tsavo West Nationalparks. Die Masaaibesitzer sind wahnsinnig freundlich und hilfsbereit

5 Tops in Kenia

  1. Kerio Valley: herrliche Bergregion mit einsamen Pisten und tollen Panoramastraßen
  2. Lake Baringo: ein Traum für BirdNerds
  3. Tsavo West Nationalpark: besticht vor allem durch abwechslungsreiche Landschaft, Lavaströme und einen Unterwassertank, wo man mit viel Glück Nilpferde beobachten kann.
  4. Nyama Choma im Komboni Joint bei Tiwi Beach. Die landestypischen Fleischspießchen werden hier auf hohem Niveau angeboten.
  5. Buffalo Mall in Naivasha: Wer lange reist, weiß die Vorzüge eines vernünftigen Supermarkts durchaus zu schätzen. Außerdem gibt es im Java House den besten Cappucino in ganz Ostafrika.

5 Flops in Kenia

  1. Eldoret: Diese Stadt am Eingang zum Kerio Valley ist chaotisch, überfüllt und dreckig. Zum Vorräte auffüllen empfehlen wir Nakuru oder Naivasha.
  2. Jungle Junction: populärer Overlanderstop in Nairobi, aus unserer Sicht überbewertet. Wobei das Schnitzel ziemlich gut war.
  3. Cattle Herder Konflikt in Laikipia 2017: Nach langer Dürre gibt es immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Farmern und privaten Conservancys um Weideland.
  4. Präsidentschaftswahlen: sind glücklicherweise nur alle vier Jahre, aber die Stimmung ist zu jeder Wahl deutlich angespannt.

Uns fallen nicht mal 5 Flops ein, so toll ist Kenia.

Reiseführer und Landkarten

Der Rough Guide Reiseführer vermittelt einen guten Eindruck der einzelnen Regionen. In Kombination mit Reise Know-How Landkarten ist man gut versorgt.

Tracks4Africa ist in Ostafrika kaum zu gebrauchen. Die Straßen- und Stellplatzinfos sind 2017 deutlich veraltet gewesen. Deshalb haben wir unsere Campingplätze vor allem mit iOverlander ausgesucht.

Visum und Einreise

Mit einem deutschen Reisepass gibt es bei Einreise ein 90 Tage Visum für 50 Dollar. Wer weiter nach Uganda oder Ruanda möchte sollte gleich das Ostafrikavisum für 100 Dollar online beantragen. Außerdem muss man zur Einreise einen Impfschutz gegen Gelbfieber nachweisen.

Zu den einzelnen Grenzübergängen haben wir unsere Erfahrungen und alle Infos zusammengetragen:

Grenzübergang von Uganda nach Kenia über die A109 (Malaba) auf die A104

Wir haben mit einer One-Stop Border gerechnet, wobei die Formalitäten für Uganda und Kenia dann doch in zwei unterschiedlichen Gebäuden untergebracht waren. Trotzdem ging alles schnell und reibungslos, da an dieser Grenze nicht viel los war. Die Schalter waren gut gekennzeichnet. In Kenia gilt übrigens seit 2017 ein Gesetz, dass Plastiktüten verbietet, ebenso wie deren Einfuhr.

Einreise nach Kenia

  1. Gesundheitscheck (Gelbfieberkontrolle)
  2. Ostafrika-Visum vorzeigen und Pass stempeln lassen
  3. Carnet de Passage stempeln
  4. Comesa (Haftpflichtversicherung)
  5. fertig

Mysterium Foreign Vehicle Permit

Wiederholt hatten wir davon gehört, dass die kenianischen Behörden auf ein Foreign Vehicle Permit bestehen. Unklar blieb bis zuletzt, ob es für Touristen gilt oder nur für ausländische Autos, die beruflich in Kenia genutzt werden. Angeblich bekommt man diese Genehmigung bei Einreise für zwei Wochen kostenlos, wenn man ein Carnet de Passage besitzt. Danach muss man für 3 Monate 25 Dollar bezahlen. Wir haben von diesem Foreign Vehicle Permit erst in Nairobi erfahren. Am Grenzübergang in Mabala haben wir es 2017 nicht bekommen. Auch keinen Hinweis. Die Verlängerung dieses Permits muss man angeblich nach Ablauf der zwei Wochen online beantragen. Nachdem wir nur widersprüchliche Informationen erhalten haben, haben wir es einfach drauf ankommen lassen. Erfreulicherweise haben weder die Polizisten an den Roadblocks noch die Zollbeamten bei der Ausreise danach gefragt. Aktuelle Informationen zum Foreign Vehicle Permit findet ihr hier.

Grenzübergang von Kenia nach Tansania über die A 14 an der Küste entlang

Die kenianische Seite war chaotisch und unübersichtlich, das Gebäude im Umbau. Wir hatten schon Mühe, einen halbwegs sicher wirkenden Parkplatz zu finden. Die Beamten waren unfreundlich und wenig hilfreich. Die Schalter waren leider nicht selbst erklärend und wir mussten uns durchfragen, um alle Formalitäten richtig zu regeln. Um so erfreulicher war die tansanische Seite. Hier ging alles geordnet und zügig. Informationen zum Grenzübergang nach Tansania findet Ihr in unserem ausführlichen Steckbrief für Selbstfahrer.

Zusätzlich ist die Seite vom südafrikanischen Automobilclub hilfreich, die eine Übersicht über die erforderlichen Papieren für die Einreise in die einzelnen afrikanischen Länder bietet.

Autofahren in Kenia

Wir haben eine ausführliche Übersicht zum Thema „Autofahren in Afrika“ zusammengestellt, die wir regelmäßig aktualisieren. Mit Tipps und vielen Infos zu den einzelnen Ländern, die wir bereist haben. In Kenia gibt es zahlreiche Roadblocks, die erstmal martialisch aussehen. Um ein Weiterfahren zu verhindern, liegen Eisenstangen mit Stacheln gespickt auf der Fahrbahn. Zu uns waren die Polizisten ausnahmslos freundlich. Merkwürdigerweise haben sie mehrmals salutiert, wenn wir vorbei gefahren sind. Erst später haben wir festgestellt, dass die kenianische Polizei häufig blaue Landys fährt. Wie unsere blaue Elise eben.

Tankstellen und Werkstätten

Die Versorgung mit Tankstellen von der ugandischen Grenzen über Nairobi bis nach Mombasa ist hervorragend, die Dieselquaität gut und teilweise kann man sogar mit Kreditkarte bezahlen. Will man in den Norden des Landes muss man ausreichend Sprit mitnehmen.

Als Werkstatt können wir uneingeschränkt LRpartsdirect in Nairobi empfehlen. Der Besitzer John hat fachkundiges Mitarbeiter für jeden Bedarf, angefangen von Elektronik, über Farblackierungen und Schweißer.

Einkaufen und Essen

Nakumatt ist Kenias größte Supermarktkette, aber leider pleite. Die meterlangen Regale sind also meistens leer, frisches Gemüse und Fleisch ist hier praktisch nicht zu bekommen.

Wir schwören auf Tuskys oder Foodplus. In jeder größeren Stadt ist zumindest einer von beiden zu finden. In Kenia haben wir zum ersten Mal wieder eine andere Käsesorte außer Cheddar und Gouda bekommen und exzellentes Brot. Das gibt es zum Teil bei den Bäckereien der Supermärkte oder bei der niederländischen Kette Brood, die wir auch in Ruanda und Uganda fanden.

Ich habe einen neuen Lieblingssnack: Kenyan Chevda. Chips, Nüsschen und Gewürze sind die perfekte Knabbermischung.

Meine favorisiertes Street Food ist Nyama Choma, gegrilltes Fleisch, dass dann in mundgerechte Stücke geschnibbelt und mit Tomate-Zwiebel-Salat serviert wird. Das beste Nyama Choma habe ich bei Tiwi Beach im Komboni Joint gegessen.

Unsere deutsche Gasflasche haben wir in Nairobi bei Chemigas auffülllen lassen. Ein Adapter war nicht erforderlich.

Seit August 2017 sind Plastiktüten in Kenia komplett abgeschafft worden und die Einfuhr ist verboten. Es droht eine Strafe von fast 40.000 USD. Stattdessen bekommt man recht stabile Fasertaschen im Supermarkt.

Gesundheit

Malaria gibt es leider in vielen Gebieten Kenias außer in Nairobi und der Wüste im Norden. Sie wird von der nachtaktiven Anophelesmücke übertragen. In Bergregionen über 1800 m ist das Risiko etwas geringer. Tagaktive Tsetse-Fliegen sind vor allem lästig, sie übertragen nur in seltenen Fällen die Schlafkrankheit, sind aber in fast allen Nationalparks zu finden. Letztlich wird man also rund um die Uhr von lästigen Stechbiestern geplagt. An der Küste gibt es außerdem Dengue und Chikungunya-Fieber.

Internet in Kenia

Safaricom ist in Kenia für uns der Anbieter der Wahl. Die Netzabdeckung ist hervorragend. Auf unserer Tour hatten wir flächendeckend Empfang und das auch noch in LTE Geschwindigkeit. 5 Gigabyte Datenvolumen kosten 2000 KSH (etwa 17 Euro).

Kostenloses WLAN gibt es in den meisten Cafés, auf den Campingplätzen eher selten. Und wenn dann ist es furchtbar langsam, außer in der Jungle Junction. Dort gibt es das schnellste Internet in ganz Ostafrika.

Als Frau unterwegs in Kenia

Die Küste ist ähnlich wie auch in Tansania islamischer geprägt als der Rest des Landes.

Als Frau lässt es sich bedenkenlos allein durch Kenia reisen. Wir haben uns in keiner Weise bedrängt oder unsicher gefühlt. Im Gegenteil. Europäischen Frauen wird viel Respekt entgegen gebracht.

Ist man alleine oder als weibliches Paar unterwegs wird man häufiger mal nach dem Ehemann gefragt. Das ist in den meisten Fällen keine Anmache, sondern einfach Neugier. Hilfreich war, das wir überall für Schwestern gehalten wurden. Birgit wiederum für die Ältere und damit das Sagen hatte. Denn dann vertritt man die Eltern. Was wichtig war für die ein oder andere Verhandlung zur Eheschließung.

Homosexualität ist in Kenia tabusiert und Sex zwischen Männern eine Straftat, wobei Nairobi sogar eine kleine Schwulenszene hat. Trotzdem sollte man öffentliche Zuneigungsbekundungen vermeiden.

Stimmung in Kenia – unsere persönliche Meinung

Wir sind ein paar Wochen nach den kenianischen Präsidentschaftswahlen 2017 über die Grenze gefahren. Ein paar Tage vorher wurde das Ergebnis der Wahl annuliert und Neuwahlen ausgerufen. Alle Meinungen und Stimmungen von Einheimischen und Auswandern war unisono: Kenia sollte man kurz vor und kurz nach den Wahlen nicht besuchen. Zu aufgeheizt wäre die Stimmung. Grund dafür ist, dass es nach den Wahlen 2007 zu einem Bürgerkrieg kam, bei dem über 1000 Menschen ums Leben kamen. Seitdem sind alle sehr angespannt vor und nach Wahlen.

Als Touristen wurden wir ausschießlich freundlich und mit der größten Gastfreundschaft empfangen. Ein Ranger erklärte uns, Kenianer sind meist nett zueinander und stehen zusammen auch in Krisenzeiten, egal zu welchem Stamm sie nun gehören. „Nur zu Wahlen spinnen wir ein bisschen“, erklärte er uns lachend.

Trotzdem gibt es Gebiete, die man meiden sollte. Dazu gehören 2017 Teile Laikipias und die gesamte Küstenregion nördlich von Malindi. Aufgrund anhaltender Konflikte mit Somalia gibt es hier sogar eine Sperrstunde. Wer trotzdem möchte kann die Insel Lamu anfliegen. Meiden sollte man außerdem die Slums in Nairobi: Kibera ist ein heißes Pflaster.

Unsere ausführlichen Reiseberichte von unseren Reisen in Kenia findest du hier.

Planst du vielleicht gerade eine Reise nach Kenia? Dann gib uns gern eine Rückmeldung welche Informationen dir noch fehlen.

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