Lesben unterwegs: Gesetze zur Homosexualität in Afrika

Lesben unterwegs: Gesetze zur Homosexualität in Afrika

Aktualisiert am 4. April 2018 um 11:48

Für Lesben und Schwule ist es sinnvoll, sich vor einer Reise über die Gesetze gegen Homosexualität im jeweiligen Urlaubsland zu informieren. Hilfreich ist hier der “Gay Travel Index” vom Spartacus Reiseportal. Denn in vielen Ländern werden homosexuelle Handlungen immer noch unter Strafe gestellt. Im schlimmsten Fall droht Todesstrafe.

Eine Möglichkeit ist, solche Länder schlicht und ergreifend nicht zu bereisen. Was aber tut man, wenn man lesbisch ist und trotzdem vom Afrikavirus befallen? Wir erzählen Dir hier, welche Erfahrungen wir auf unserer Reise durch zehn afrikanische Länder gemacht haben.

Südafrika – die Regenbogennation

Begonnen haben wir in Südafrika, der Regenbogennation. Dank Nelson Mandela gibt es hier keine Gesetze mehr, die unsere persönliche Freiheit einschränken. Denn mit Abschaffung der Apartheid und Gleichstellung von schwarz und weiß, hat man direkt alle anderen “Randgruppen” mit eingeschlossen. In den Großstädten Kapstadt und Durban kann man sich entsprechend frei bewegen und sogar schwul ausgehen. Ähnlich wird es in Johannesburg sein, wobei wir diese Stadt nicht selbst besucht haben. Offen und tolerant haben wir vor allem die Westküste erlebt. In der kleinen Karoo, wo es vor Künstlern und kreativen Menschen nur so wimmelt, ist die Stimmung auffallend liberal. Richtung Ostküste, die relativ fest in indischer Hand ist und in abgelegeneren Gebieten im Landesinneren, konnte man mit zwei alleine reisenden Frauen schon weniger anfangen. Aber letztendlich ist das in Europa auch nicht anders.

Gesetze in anderen afrikanischen Ländern

In allen anderen Ländern unsere Reise ist Homosexualität verboten mit unterschiedlich dramatischen Folgen. Während man in Botswana und Namibia, die bestehenden Gesetze schon lange nicht mehr anwendet, wurden während unserer Reise 20 schwule Männer auf Sansibar verhaftet. Kenia hat in Nairobi und an der Küste sogar eine kleine “Gay Community”, wohingegen die Regierung von Uganda am liebsten wieder die Todesstrafe einführen will. Einzig die Androhung westlicher Länder, sämtliche Hilfeleistungen sofort einzustellen, hält die Regierung in Zaum. Das war dann tatsächlich für uns kein Land, in dem wir uns wohl gefühlt haben.

Rangliste von gay-friendly Reiseländern

Hier seht Ihr die Plätze unserer Reiseländer nach dem Gay Travel Index. Dieser setzt sich zusammen aus Rechten für Schwule und Lesben, Umgang in der Gesellschaft und Strafen gegen Homosexuelle.

  • Platz 27 Südafrika, hier dürfen Homosexuelle sogar heiraten und Kinder adoptieren
  • Platz 80 Botswana, seit 2017 läuft eine Verfassungsklage gegen die Haftstrafe
  • Platz 111 Namibia und Ruanda, Strafe in Namibia abgeschafft
  • Platz 143 Kenia und Sambia, in Sambia schlimmstenfalls lebenslänglich
  • Platz 174 Tansania, Uganda und Zimbabwe, hier warten 7 bis 25 Jahre Gefängnis
  • Platz 187 Malawi, hier drohen bis zu 14 Jahren Gefängnis – allerdings nur für Männer

Spitzenreiter sind Kanada und Schweden. Und Deutschland ist dank der “Ehe für alle” auf Platz 3 aufgestiegen. Trauriges Schlusslicht ist übrigens Tschetschenien, autonome Republik der russischen Föderation, auf Platz 197. Hier kam es im Frühjahr 2017 zu einer regelrechten Verhaftungswelle von Homosexuellen, die gefoltert wurden und dabei umkamen. Direkt auf Platz 196 ist mit Somalia ein afrikanisches Land. Dort werden immer wieder Homosexuelle durch Al-Shabab Milizen hingerichtet. Unterm Strich aber Krisengebiete und damit keine sinnvollen Urlaubsziele.

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Reisealltag zweier Frauen in Afrika

Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, „out and proud“ die Einheimischen zu „bekehren“ und von der Richtigkeit unserer Liebe zu überzeugen. Denn Reisen ist ja ohnehin immer eine Gratwanderung zwischen sich Anpassen an die dortige Kultur und auch mal neue Impulse setzten. Droht aber Gefängnis, ist mir der Preis für “ich selbst sein” zu hoch.

Bleibt also nur die Alternative “sich verstecken”. Das war in der Regel einfach, da uns ohnehin alle für Schwestern gehalten haben. Automatisch mich für die ältere. Ist im Prinzip in Ordnung, trennen mich doch tatsächlich 3 Monate und 3 Tage von Steffi. Als man mich dann aber an der sambischen Grenze für Steffis Mutter gehalten hat, wurde es mir doch zu bunt.

Jedenfalls wurde unsere „Geschichte“ damit abgerundet, dass wir unsere Ehemänner im nächsten Ort treffen, da die durch richtig schweres Gelände fahren wollten, während wir uns einen gemütlichen „Mädchentag“ machen. Unsere Kinder sind bereits erwachsen und deshalb zuhause geblieben. Denn anfängliche Versuche, zumindest keine Kinder zu erfinden, wurden von so großem Unverständnis begleitet, dass wir die im Verlauf in unsere Geschichte integriert haben. So sind wir insgesamt gut über die Runden gekommen.

Man ist uns in der Regel überall freundlich und mit viel Respekt begegnet. Im Umgang mit tourismuserfahrenen Guides und Rangern, haben wir oft das Gefühl gehabt, dass man weiß, was wir sind und es toleriert. Letztendlich ist das wahrscheinlich für zwei Frauen einfacher als für ein schwules Paar. Sexualität unter Männern wird häufig ernster genommen und entsprechend strenger geahndet. So haben wir zum Beispiel von zwei Männern auf Reisen erfahren, dass es für sie unmöglich war, in Tansania ein Doppelzimmer zu bekommen. Dabei handelte es sich um Vater und Sohn.

Einschränkungen

Ein schaler Beigeschmack bleibt trotzdem. Jeder Homosexuelle weiß wie schwierig ein “Coming out” sein kann. Entsprechend lang und mitunter beschwerlich ist der Weg bis man endlich sein kann, wer man ist, sich nicht mehr verstecken muss. Darum war dieser zumindest gefühlte Rückschritt, das größte Manko an unserem Jahr in Afrika. Leben im Land Rover auf Campingplätzen lässt wenig Raum, sich kurz mal an der Hand zu nehmen. Oder sich gar zu einem flüchtigen Kuss hinreißen zu lassen. Für drei Wochen kein Problem. Für ein ganzes Jahr schon anders. Zumindest wenn man sich gut leiden mag. So wie wir beiden.

Auch Heterosexuellen wird in Ostafrika geraten, sich in der Öffentlichkeit mit körperlicher Zuneigung zurückhalten. Aber hinter verschlossenen Türen sieht das natürlich anders aus. Gefängnis droht in keinem Fall, darum ist Lügen nicht erforderlich. So lässt sich das Traumziel Sansibar mit seinen endlosen Sandstränden als Inbegriff der Romantik sicherlich anders genießen. Man kann unbeschwerter durch die Usambaraberge wandern oder durch das quirlige Städtchen Iringa bummeln. Da tut es gut, sich ab und zu im afrikanischen Busch zu „verstecken“, denn die Tiere interessiert nicht, wen ich liebe.

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