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Steckbrief: Sambia für Selbstfahrer

Sambia ist für uns Liebe auf den vierten Blick. Der erste Eindruck bestand aus irrsinnig langen Distanzen zwischen den Attraktionen auf Straßen in grauenvoll schlechtem Zustand. Die Great East Road von Lusaka nach Chipata und die Great North Road von Lusaka zur tansanischen Grenze sind durchzogen von Schlaglöchern. Doch nach 40 Tagen in Sambia hat dieses Land unser Herz erobert. Vor allem die Fahrt durch das unberührte Luangwa Tal ist in jedem Fall eine Reise wert. 

Wir verraten Euch unsere schönsten Stellplätze, Highlights, Tops und Flops. Dazu gibt es hilfreiche Reisetipps für eure eigene Sambia-Reise zu den Themen Einreise, Autofahren, Einkaufen, Internet, Werkstätten und vieles mehr.

Die beste Reisezeit – Winter oder Sommer?

Im europäischen Frühjahr ist Sambia herrlich grün nach der Regenzeit, die von November bis April anhält. Dafür sind in den Nationalparks viele Wege unpassierbar. Zwischen Mai und August kann es nachts bis zur Frostgrenze abkühlen. Ab September steigen die Temperaturen an. Der Oktober wird im Luangwatal auch Suicide Month genannt, weil es mit über 40 °C hirnerweichend heiß ist.

Die schönsten Campingplätze in Sambia

  1. Mutinondo Wilderness: herrlicher Stellplatz in einem privatisierten Naturareal.
  2. Kapishya Hot Springs: Stellplätze direkt am Mansha Fluss, entspannen in heißen Quellen und abends gibt es im Restaurant exzellentes Essen mit Gemüse aus dem eigenen Garten.
  3. Chipuka Community Camp: neues Camp nördlich vom Luambe Nationalpark direkt am Luangwa-Fluss mit herrlichen Ausblicken.
  4. Pioneer Camp: Für uns der beste Stop rund um Lusaka. Liegt auf dem Weg Richtung Chipata. Weitläufiges Campingareal und leckere Pizza im Restaurant. Das Eureka Camp südlich der Stadt ist leider etwas heruntergekommen. Wer Richtung Norden unterwegs ist, kann alternativ in der Fringilla Farm übernachten.
  5. Mayukuyuku Camp: liebevoll gestaltetes Bush Camp im Kafue Nationalpark und damit einziger Lichtblick im Park (vergleiche Flops).

4 Tops in Sambia

  1. Die Fahrt durchs Luangwa-Tal von Chifunda im Norden bis nach Petauke an der Great East Road ist einfach SENSATIONELL. Man fährt durch unberührte Natur und lebhafte Dörfer. Die Landschaft ist einzigartig und wenn dann noch eine riesige Herde der seltenen Roan-Antilopen die Straße überquert, das ist schon etwas ganz besonderes.
  2. Auf dieser Strecke liegt der South Luangwa Nationalpark. Für uns einer der tollsten Parks im ganzen südlichen Afrika. Er ist weitläufig, so dass sich die Besucher locker im Park verteilen und dabei trotzdem wahnsinnig artenreich. Hier ist es uns endlich gelungen, die seltenen afrikanischen Wildhunde zu erspähen.
  3. Viktoriafälle im Mai. Dann führen sie am meisten Wasser.
  4. Mutinondo Wilderness. In diesem wunderbaren Naturareal lässt es sich herrlich wandern (eine Rarität auf dem afrikanischen Kontinent, da sonst meist wilde Tiere zugegen sind).

4 Flops in Sambia

  1. North Luangwa Nationalpark: Selbstfahren ist nicht erlaubt, die Transitstrecke ist trist und voller Tsetse-Fliegen. Der Park macht wahrscheinlich mehr Spaß, wenn man eines der kleinen Camps im Park bucht und zu Fuss durch den Nationalpark stravanzt (natürlich mit Guide). Das hat allerdings seinen Preis. Als Selbstversorger ist man mit gut 175 $ pro Person dabei.
  2. Kafue Nationalpark: Der Park ist riesig und deshalb kann es schwer sein, Tiere zu erspähen. Was man dafür reichlich sieht sind Tsetse-Fliegen.
  3. Auf der Great North Road brettern permanent LKWs in wilden Überholmanövern an einem vorbei und die Straße ist voller Potholes – also Schlaglöcher. Nicht von ungefähr kommt diese sambische Weisheit: Gucken aus einem Schlagloch Ohren heraus, weiß man nie ob es sich um ein Kaninchen oder eine Giraffe handelt.
  4. Die Grenzübergänge nach Sambia hinein sind insgesamt eine Katastrophe. Mit wenigen Ausnahmen (Namibia nach Sambia bei Katima Mulilo und Sambia nach Malawi bei Lundazi) sind sie chaotisch, unübersichtlich und nervenaufreibend. Das fängt schon damit an, dass man die Carbon tax nur in sambischen Kwacha bezahlen kann, wobei der ATM in der Regel nicht geht und die Road tax wiederum in US Dollar. Man muss also gut vorbereitet sein.

Reiseführer und Landkarten

Nichts geht über den Reiseführer aus dem Hupe Verlag, die zusätzlich auch noch ein Buch über das Luangwatal veröffentlicht haben. Mit den Karten von Tracks 4 Africa lässt sich prima navigieren.

Visum und Einreise

Das Visum erhält man direkt bei Einreise. Ein Single Entry kostet 50 USD pro Person, ein Double Entry 80 USD. Mit einem Touristenvisum darf man pro Jahr bis zu 90 Tage durch Sambia reisen.

Für das Auto

  1. Carbon Tax:  200 sambische Kwacha (etwa 20 Euro)
  2. Entry-Stempel im Carnet de Passage
  3. Versicherung für einen Monat: 487 Kwacha (etwa 50 Euro)
  4. Road Tax:  20 USD

Und zu guter Letzt ist noch ein Council Levy zu entrichten, das scheint so etwas wie eine Gemeindegebühr zu sein und wird gerne von der Polizei kontrolliert.

Hier sind alle Grenzübergänge, die wir kennenlernen durften:

Grenzübergang von Namibia nach Sambia bei Katima Mulilo

Wer die Möglichkeit hat, sollte statt Kazungula in Botswana lieber über Namibia einreisen. Der Grenzübergang ist sehr zu empfehlen, denn hier geht es ruhig und geordnet zu. Und alle Schalter sind beschriftet und finden sich in einer Halle.

Grenzübergang von Botswana nach Sambia bei Kazungula

Zweit schlimmster Grenzübergang nach Sambia, den wir aber so oft gemacht haben, dass wir mittlerweile wissen, wo was zu finden ist. An dieser Grenze wimmelt es nur so von Schleppern, die einem ihre Dienste schon auf der Fähre anbieten. Wirklich nötig ist das nicht, man kommt eigentlich ganz gut klar, wenn man weiß, wo man hin muss. Wir haben Euch das mal aufgemalt.

Grenzübergang Botswana-Sambia: Kazungula

Grenzübergang von Tansania nach Sambia bei Nakonde

Mit Abstand der nervigste Grenzübergang auf der ganzen Afrikareise, chaotisch und unübersichtlich. Wir haben ewig gebraucht, die richtigen Schalter zu finden. Am Ende haben wir auf den Erwerb des Council Levys verzichtet, weil unsere Nerven blank lagen. Nach diesem Lauf durch die Trabantenstadt haben wir angefangen Grenzübergänge zu kartographieren :-)

Grenzübergang Tansania-Sambia: Tundoma

Die Ausreise aus Sambia ist nur halb so chaotisch, weil man ja schon die Papiere für Sambia in der Tasche hat und “nur” abstempeln muss.

  • Grenzübergang von Sambia und Malawi bei Chipata: über die Great East Road ist das die Hauptverbindung nach Malawi und entsprechend viel los.
  • Grenzübergang von Sambia und Malawi bei Lundazi: als Alternative unbedingt zu empfehlen, denn hier waren wir praktisch allein.
  • Grenzübergang von Sambia nach Simbabwe bei Kariba Dam: Im Vergleich zur Einreise nach Simbabwe war die Ausreise aus Sambia ein Kinderspiel.

Autofahren in Sambia

Die Entfernungen in Sambia sind weit und die Transittage auf der Nord- oder Oststrecke können lang und vor allem langweilig werden. Im Vergleich zu Ostafrika sind Polizeikontrollen relativ selten, können dafür aber ziemlich ungemütlich sein, wenn man seine Papiere nicht in Ordnung hat.

Wir haben eine ausführliche Übersicht zum Thema „Autofahren in Afrika“ zusammengestellt, die wir regelmäßig aktualisieren. Mit Tipps und vielen Länderinfos.

Tankstellen und Werkstätten

Die Dieselqualität ist mit Ausnahme von Simbabwe die schlechteste im südlichen Afrika. Das Land stellt zwar gerade auf Low Sulphur Diesel um, dennoch hat unser moderner TD4 die Rückstände grün zum Auspuff heraus gepupst.

In Livingstone ist Nick Foley’s Werkstatt eine Institution für Land Rover Fahrer. Man kann sein Auto auch bei ihm unterstellen.

Einkaufen und Essen

Supermärkte gibt es nur in den größeren Städten wie Lusaka, Livingstone, Chipata oder auch in Kafue. In den kleineren Orten findet man Tante Emma Läden und kann sich auf den Märkten sich sehr gut mit Obst und Gemüse versorgen.

Eine Skurrilität, die wir in Mazabuka kennen gelernt haben ist DAPP – Development Aid from people to people. Hier werden die Klamotten aus unseren Altkleidersammlungen zu Billigpreisen verkauft. Überhaupt tragen unsere Altkleiderspenden vor allem dazu bei, die Textilindustrie in den afrikanischen Ländern zu ruinieren. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Gesundheit

In Sambia machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit den lästigen Tse-Tse-Fliegen. Im Kafue Nationalpark und auch im Nord- und Süd-Luangwa. Sobald es waldiger wird, hatten wir die Biester im Auto. Die Stiche übertragen nur in den seltensten Fällen die Schlafkrankheit, sind aber sehr schmerzhaft. Mückenspray ist wirkungslos. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit einer Dettol-Wasser-Mischung gemacht. Dettol ist ein antibakterielles Putzmittel, dass man in jedem noch so kleinen Supermarkt bekommt.

Über das Thema Malariaprohylaxe haben wir einen ausführlichen Artikel verfasst.

Und tatsächlich ist Sambia eines der Länder in denen es noch Gelbfieber gibt. Allerdings nur im Westen des Landes. Trotzdem wird häufig bei der Einreise in ein angrenzendes Land eine Gelbfieberimpfung gefordert.

Internet in Sambia

Die Netzabdeckung ist nur in den größeren Städten gut. Auf dem Land muss man sich oft mit Edge oder gar keinem Empfang begnügen. Wir hatten eine SIM-Karte von Airtel. In jedem noch so kleinen Dorf findet sich ein Verkäufer, bei dem man dann Guthaben (airtime und data) kaufen kann.

Als Frau unterwegs in Sambia

Als Frau lässt es sich bedenkenlos allein durch Sambia reisen. Wir haben uns in keiner Weise bedrängt oder unsicher gefühlt. Im Gegenteil. Europäischen Frauen wird viel Respekt entgegen gebracht. Was leider nicht für einheimische Frauen gilt. Ist man alleine oder als weibliches Paar unterwegs wird man häufiger mal nach dem Ehemann gefragt. Das ist in den meisten Fällen keine Anmache, sondern einfach Neugier. Wobei die meisten Menschen in Sambia sehr zurückhaltend sind.

Homosexualität ist in Sambia strafbar. Es drohen Haftstrafen von 15 Jahren bis lebenslänglich.

Stimmung in Sambia – unsere persönliche Meinung

Wie schon erwähnt haben wir eine Weile gebraucht, um mit Sambia warm zu werden. Und im Nachgang finden wir Sambia immer noch besser. Denn eigentlich kann man wahnsinnig viel erleben. Angefangen mit den Victoriafällen Süden, über Wandern in Mutinondo und entspannen in den heißen Quellen von Kapishya. Die Nationalparks sind weitläufig und immer noch relativ unberührt. Die abgelegenen Regionen im Norden oder westlich hinter dem Kafue Nationalpark haben wir noch gar nicht erkundet. Das wollen wir aber bei unserer nächsten Sambiareise nachholen. In Sambia kann man wirklich noch viele sehr ursprüngliche Gebiete entdecken und hat trotzdem ein Mindestmaß an Infrastruktur.

Unsere ausführlichen Reiseberichte von unseren Reisen in Sambia findest Du hier.

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